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Working from home and looking to buy a home in Germany. This article addresses themes such as securing a bank loan, preparing for the financing interview, and legal aspects of real estate and employment law in Germany.

Wer in Deutschland als Selbständiger tätig ist und eine Eigentumswohnung oder ein Eigenheim erwerben möchte, hat es nicht immer leicht mit der Immobilienfinanzierung. Im Gegensatz zu Angestellten und Beamten prüfen Banken bei Freiberuflern die Kreditwürdigkeit noch einmal genauer und sehr oft wird der gewünschte Kredit dann nicht gewährt oder es gibt saftige Risikopauschalen. Allerdings können Selbständige mit einigen Tipps ihr Standing im Bankgespräch verbessern und ihre Chancen auf die Finanzierung erhöhen.

Bernd Schatz ist beim Finanzdienstleister Dr. Klein auf die Baufinanzierung spezialisiert. Er bestätigt, dass es Selbständige, insbesondere Gewerbetreibende in der Hotel- und Gastronomiebranche, in der Regel schwerer haben, einen Kredit zur Immobilienfinanzierung zu bekommen. Unmöglich ist es jedoch nicht. Gute Chancen hat, wer seine Selbständigkeit seit mehr als drei Jahren betreibt und konstant Gewinn erwirtschaftet. Als grobe Richtlinie empfiehlt Finanzexperte Schatz pro Person einen Überschuss von mindestens 1.500 Euro als Pauschale für die Lebenshaltungskosten.

Mehrere Banken anschreiben

Wer als Selbständiger ausschließlich auf die Hausbank zur Immobilienfinanzierung setzt, schränkt sich bereits stark ein. Finanzierungsexperten raten, gleich mehrere Banken anzuschreiben und evtl. einen Vermittler mit dem Vergleich der Angebote zu beauftragen. Übrigens haben Selbständige nicht automatisch bei jeder Bank schlechte Karten. Die Zuschüsse und Fördermöglichkeiten der KfW Bank zum Beispiel stehen Selbständigen zu identischen Konditionen offen wie Angestellten und Beamten.

Pluspunkt im Bankgespräch: gleich Unterlagen mitbringen

Beim Gespräch mit der Bank punkten Selbständige besonders, wenn sie bereits beim Erstkontakt eine Zusammenstellung der Gewinn- und Verlustrechnungen bzw. Bilanzen der letzten drei Jahre mitbringen. Auch Einkommenssteuerbescheide, eine aktuelle Selbstauskunft und eine Aufstellung der Ein- und Ausgaben sind schon beim ersten Termin gern gesehen.

Monatliche Raten großzügig kalkulieren

Auch wenn es aktuell hervorragend läuft im Geschäft: Finanzierungsexperte Bernd Schatz von Dr. Klein rät Selbständigen, die monatlichen Tilgungsraten nicht zu hoch anzusetzen. Es muss genug Spielraum bleiben, falls es im Lauf der Jahre einmal zu Engpässen kommt. Gerade weil Selbständige bei der langfristigen Planung nicht die Sicherheit haben wie Festangestellte, sollten sie ganz genau prüfen, ob die gewählte Darlehensart die richtige ist und ob es Optionen gibt, von Sondertilgungsmöglichkeiten oder einem Wechsel des Tilgungssatzes zu profitieren.

Einen besonders niedrigen Tilgungssatz erhält, wer viel Eigenkapital mitbringt. Das gilt für Selbständige ebenso wie für jeden anderen Berufstätigen. Als optimal angesehen werden 20 Prozent Eigenkapital.  Nicht zu unterschätzen sind jedoch die Nebenkosten des Immobilienkaufs, die meist mit rund zehn Prozent vom Kaufpreis zu Buche schlagen und ebenfalls aus eigener Tasche beglichen werden müssen.

In jedem Fall lohnt sich vor dem Immobilienkauf eine realistische Einschätzung des finanziellen Spielraums und darauf sollte auch die zu erwerbende Immobilie zugeschnitten sein. Das Haus am See lockt, aber unter Umständen ist die Wohnung am Stadtrand die realistischere Wahl.

Hier geht’s zum Realitäts-Check: Welche Immobilie kann ich mir leisten?

Titelbild: pixabay