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Das Baukindergeld wurde bisher fleißig genutzt. Es ist ja auch eine höchst willkommene Finanzspritze für Familien mit geringem Einkommen. Wer sich für sein eigenes Projekt „Wohnen im Neubau-Zuhause“ die Förderung noch sichern möchte, muss sich beeilen. Zwar kann das Geld bis Ende 2023 beantragt werden, aber nur, wenn die Baugenehmigung für Ihre Neubau-Wohnung oder Ihr Haus noch innerhalb des Jahres 2020 erteilt wird. Wie es bisher lief und wo am meisten Anträge gestellt wurden, beleuchten wir in unserem Artikel auf neubau kompass.

Das Baukindergeld kommt seit seiner Einführung am 18. September 2018 gut an. Die KfW-Bank hat dazu natürlich Statistiken angefertigt, und diese zeigen: Bis zum 31. Mai 2020 hat sie 233.000 Anträge bewilligt. Etwa 20 Prozent der Antragsteller kommen aus Nordrhein-Westfalen, jeweils rund 14 Prozent aus Baden-Württemberg und Bayern, während Niedersachsen 12 Prozent der Anträge eingereicht hat. Grundsätzlich gilt, dass in ländlichen Gebieten das Baukindergeld mehr nachgefragt wurde als in den städtischen Ländern mit hoher Einwohnerdichte.

Neubauprojekt im Großraum Berlin: Friedensthaler Gärten. Bild: Bonava Deutschland GmbH

Das ist natürlich eine Sache der Finanzierbarkeit. Das Immobilienforschungsinstitut empirica hat das Verhältnis der Immobilienpreise und Einkommen untersucht. Das Fazit: Im ersten Quartal 2020 war dieses in Niedersachsen, dem Saarland, Rheinland-Pfalz, Sachsen-Anhalt und Thüringen sehr viel günstiger als in den restlichen Bundesländern. Eine Eigentumswohnung mit 60 bis 80 m² kostete dort zum Zeitpunkt rund fünf durchschnittliche Nettojahreseinkommen. In Berlin und Hamburg waren es schon mehr als neun Jahreseinkommen, und auch in Bayern sind im Durchschnitt und wenn man alle Regionen zusammennimmt, rund sieben Nettojahreseinkommen nötig, um sich eine solche Immobilie kaufen zu können.

Der Osten boomt

In einer Pressemitteilung vom 26. Juni 2020 gab die Bundesgeschäftsstelle Landesbausparkassen (LBS) auch konkrete Zahlen zu den Anträgen bekannt: In den fünf Bundesländern im Osten, aber ohne Berlin, wurden bisher pro 1.000 Familien 34 Baukindergeldanträge erfolgreich gestellt, in den 10 westdeutschen Bundesländern ohne Hamburg kamen 30 Anträge auf 1.000 Familien. Dass der Osten boomt, hat nicht nur den Grund, dass Bauland und Immobilien dort – abgesehen von teureren Flecken wie Berlin, seinem Umland und der Region an der Ostsee – noch erschwinglich sind. Dazu kommt, dass hier weniger Menschen im eigenen Zuhause wohnen. Der Bedarf an neuem Wohneigentum ist dort also höher und kann, zumindest theoretisch, leichter gedeckt werden.

Baukindergeldquote nach Bundesländern. Quelle: LBS

In Berlin ist seit Jahren eine Abwanderung von Familien Richtung Brandenburg zu beobachten. Hier im Grünen entstehen, oft hervorragend an die Großstadt angebunden, Eigenheime, die viel Platz und Komfort bieten – und vielerorts deutlich günstiger sind als in Berlin. Während das Baukindergeld in der Metropole weniger durchschlägt, kommt es vielen Häuslebauern und -käufern zu Gute, die im direkt daran angrenzenden Speckgürtel ein neues Nest finden. Ähnlich verhält es sich mit Hamburg und den schleswig-holsteinischen und niedersächsischen Nachbarregionen. Hier ist die Differenz zwischen Stadt und Land bei der Inanspruchnahme von Baukindergeld besonders groß.

Neubau zieht an

Das Baukindergeld gilt nicht nur als erfolgreiches Instrument der Familienförderung. Es kurbelt auch die Nachfrage nach Bestands- und Neubau-Immobilien auf dem Käufermarkt an – und schafft damit gute Perspektiven für die Bautätigkeit. Die Befürchtung, dass die Familien eher Bestandsimmobilien in den Fokus nehmen und Neubauten weniger gefragt sein könnten, war zuvor seitens vieler Bauträger groß. Die letzten zwei Jahre zeigten aber, dass diese Sorgen unbegründet waren. Ende 2018 lag der Anteil an positiven Baukindergeld-Bescheiden für Immobilien aus dem Neubau-Segment noch bei 14 Prozent. 2019 holten diese aber schon deutlich auf: Da wurden bereits 27 Prozent erreicht. Was 2020 bringt, das Jahr, als Corona die gesamte Wirtschaft inklusive der Bauwirtschaft durcheinanderwirbelte, ist noch nicht sicher zu sagen. Bis Ende Mai 2020 lag der Neubau-Anteil für Wohnungen und Häuser, die mit Baukindergeld gefördert wurden, aber bereits bei 32 Prozent. Das ist eine ordentliche Summe. Denn dazu muss man wissen, dass das Baukindergeld für Neubau-Immobilien erst nach dem Einzug beantragt werden kann.

Die Auswertungen der KfW-Bank zeigen auch noch eins ganz deutlich: Hamburg und Berlin beweisen zwar, dass das Baukindergeld zwar nicht überall gleichermaßen stark wirkt. Die Förderungen werden aber von genau den Menschen genutzt, die damit erreicht werden sollten: Familien mit geringerem Haushaltsnettoeinkommen, die sich dank dieses „Bonus“ zunehmend auf dem Land Wohneigentum schaffen. Die Kritik, dass sich weiterhin oder zukünftig nur solvente Käuferfamilien ein Eigenheim leisten können und Familien mit geringerem Einkommen trotz Baukindergeld keine Chancen am Immobilienmarkt haben, trifft nicht.

Baukindergeld - Einkommensverteilung

Wenn Sie Ihre Immobilienpläne weiter in die Zukunft verschoben haben und nun hoffen, dass die Förderung verlängert wird oder die Fristen für die Baugenehmigungen bzw. Förderanträge nach hinten verschoben werden, müssen Sie auf viel Glück hoffen, um ein „Stück“ vom Baukindergeld abzubekommen. Sicherlich hängt vieles davon ab, ob das festgesetzte Förderbudget von 9,9 Milliarden Euro bis Ende 2023 ausgeschöpft ist. Wir bleiben für Sie auf jeden Fall am Thema dran und raten Ihnen, den 31. Dezember 2020 fest im Blick zu behalten. Beantragen können Sie das Baukindergeld auch später, aber die Baugenehmigung für Ihr neues Zuhause muss zu diesem Zeitpunkt unter Dach und Fach sein. Möchten Sie noch einmal alles über die Zugangsvoraussetzungen zum Baukindergeld und die Höhe der möglichen Förderbeträge nachlesen? Einen detaillierten Überblick dazu finden Sie in einem unserer weiteren Blogbeiträge.

Viel Spaß beim Planen und Realisieren! Ihr Redaktionsteam von neubau kompass.

Mehr zum Thema finden Sie außerdem bei der KfW-Bank.

Titelbild: unsplash

Unser Bild im Beitrag zeigt das Neubauprojekt „Friedensthaler Gärten“ im Speckgürtel von Berlin. Bild: Bonava Deutschland Gmbh