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Das von ICON Build (USA) realisierte Haus

Mindestens zwölf Monate, meistens jedoch einige Zeit länger, müssen Immobilienkäufer hierzulande warten, bis ihr Neubau-Haus bezugsfertig ist. In anderen Ländern, zum Beispiel in den USA, sieht das schon anders aus. Das US-Unternehmen ICON Build baut ein familienfreundliches, einstöckiges Haus, wie auf unserem Titelbild zu sehen, bereits in 24 Stunden. Möglich macht das ein 3D-Drucker. Längst ist der Hausbau aus dem Drucker keine Zukunftsmusik mehr. Experten gehen davon aus, dass innerhalb der nächsten zehn Jahre auch in Deutschland das 3D-Verfahren zum Bau mehrgeschossiger Häuser angewendet werden kann. Lesen Sie, wie das Bauen mit dem 3D-Drucker funktioniert und wo bereits die ersten Gebäude dieser Art stehen.

Neben der kurzen Bauzeit von einem bis zu wenigen Tagen, trumpfen vom 3D-Druckroboter gefertigte Häuser mit niedrigeren Baukosten auf. Wer sich für diese Fertigungsvariante entscheidet, kalkuliert je nach Anbieter im Durchschnitt für das gesamte Haus Baukosten ab ca. 9.000 Euro. Es gibt auch größere und kostenintensivere Varianten. Nicht zuletzt aufgrund der moderaten Preise, sind Häuser aus dem 3D-Drucker derzeit besonders für den Siedlungsbau interessant. In Südamerika planen das oben erwähnte US-Unternehmen ICON und die Non-Profit Organisation New Story den Bau einer Sozial-Siedlung mit einem 3D-Bau-Drucker. Das Gerät kann auch bei ungünstigen Voraussetzungen wie wenig Wasser und/oder intensiver Sonneneinstrahlung eingesetzt werden. Bei der Fertigung entsteht nach Angaben des Unternehmens so gut wie kein Müll.

Bautechnik unter dem Aspekt Nachhaltigkeit

Der Aspekt des nachhaltigen Bauens steht bei dem aus Abfällen und Erde errichteten 3D-Tiny-House in Massa Lombardo (Italien) im Vordergrund. „Gaia“ heißt das runde Gebäude, realisiert vom italienischen Druckerproduzenten WASP.

Das per 3D-Druckroboter erstellte Tiny-House GAIA. Die wellige Wand wird durch den 3D-Druck erzeugt. Bild: WASP

In Kombination mit digitalen Fertigungselementen entstand in 10 Tagen ein rund 30 Quadratmeter großes, rundes Haus. Entworfen am 3D Drucker, in digitaler Fertigung entsprechend errichtet – in hoher Bauqualität, wie WASP betont. Zudem sei die architektonische Form des Hauses mit herkömmlichen Bautechniken so nicht zu realisieren, heißt es weiter bei WASP.

So sieht das vom US-Unternehmen ICON mit 3D-Drucker realisierte Haus von Innen aus. Bild: ICON Build

Bauteile können mit dem 3D-Druck Verfahren individuell gestaltet werden. Auch Dämmmaterial oder Lüftungskanäle können bereits während der Fertigung eingebaut werden. Ebenso ist es möglich, Regale und Bänke gleich mit zu drucken. Somit ist der Innenausbau weniger aufwendig.

Auf Kosten der Qualität geht dieses Bauverfahren nicht, so die Entwickler. Die Mauer von GAIA, 45 cm dick, besteht aus insgesamt 45 Schichten. Als erstes „spritzt“ der ferngesteuerte 3D- Druckroboter die Hauswände. Durch die digital aufs genaueste kontrollierte Bereitstellung bzw. den akuraten Einsatz der Baumaterialien, wird Verschwendung so gut wie ausgeschlossen. Auch das ist ein nachhaltiger Bestandteil des Projekts.

Fertigung der Wand von GAIA. Rechts im Bild: die Düse des 3D-Druckers

Möglich in mittlerer Zukunft: Hybrid-Haus

Während bei GAIA ein Fokus auf nachhaltigen Baumaterialien liegt, besteht das „Standard Material“ beim 3D-Bau aus einem speziellen, breiähnlichen Beton. Mehrere Teams an deutschen Universitäten sind aktuell damit beschäftigt, die ideale Zusammensetzung dieses Baugemischs zu ermitteln. Denn noch gilt der Beton-Mix für den Einsatz auf dem deutschen Markt aufgrund der im europäischen Baurecht vorgegebenen fehlenden Stahlelemente als zu wenig stabil. Stahlbeton kann man (noch) nicht aus dem Drucker generieren. Deshalb gehen Baufachleute in mittlerer Zukunft hierzulande eher von einer Kombination aus 3D Druck und herkömmlichen Bauweisen aus. Die 3D-Druckroboter könnten für den Rohbau eingesetzt werden, während im Nachgang dann Produktionsschritte wie Dämmung und Anstrich „manuell“ erfolgen könnten. „Hybrid-Haus“ nennen das Baufachleute.

Mehr ist derzeit auf dem deutschen Markt beim 3D-Bau nicht zu erwarten. Schreiten die Forschungen diesbezüglich jedoch erfolgreich weiter voran, könnte, wie bereits oben erwähnt, das 3D-Bauverfahren in den nächsten zehn Jahren auch bei mehrstöckigen Gebäuden eingesetzt werden. Bislang beschränkt sich die Architektur in der Mehrzahl auf Häuser im Bungalow-Stil.

Aufgrund der europäischen Bauvorgaben befindet sich das 3D-Verfahren hierzulande noch in der Experimentierphase. Eingesetzt werden die per 3D Druck entstandenen Häuser aktuell vorwiegend in Südamerika, in Russland und im arabischen Raum. Beliebt sind sie in Regionen, die von Naturkatastrophen und Unwettern bedroht sind. Im Fall einer Überschwemmung könnten in kurzer Zeit zahlreiche Menschen mit der 3D-Fertigung ein neues Heim erhalten.

Das per 3D-Druckroboter gefertigte Tiny-House in Italien entspricht Aspekten der Nachhaltigkeit. Lesen Sie, welche Nachhaltigkeits-Zertifikate es in Deutschland gibt.

Unser Titelbild zeigt das von ICON Build (USA) mit dem 3D-Drucker VULCAN II produzierte Haus.