| Gebäude-Effizienz

Hochhäuser erobern unsere Großstädte, in vielen Ländern gelten sie als Symbole für Reichtum und Macht. Ikonische Wolkenkratzer machen die Skylines von Metropolen erst wiedererkennbar. Immer mehr zukunftsweisende Architekturbüros gestalten Hochhäuser mit nachhaltigen Elementen: Durch die Integration von Grünflächen sollen ihre Bewohner den Kontakt zur Natur wahren und auch zur nachhaltigen Stadtplanung tragen bepflanzte Fassaden und Dächer bei. Wir stellen revolutionäre Ideen bekannter Architekturbüros aus aller Welt vor.

Mit über 12 Millionen Einwohnern ist Shenzen heute die drittgrößte Stadt Chinas. Zaha Hadid Architects entwarf für den neuen Finanzbezirk in Shenzhen zwei beeindruckende Wolkenkratzer, die durch ein Podium aus bepflanzten Terrassen miteinander verbunden sind. Die dort angelegten Aquaponic-Gärten dienen der Pflanzen- und Fischzucht. Der Tower C zählt mit 400 Metern zu den höchsten Gebäuden der Stadt – er wurde für 300.000 Bewohner konzipiert – mit Wohn-, Büro- und Gewerbeflächen, einem Hotel, einem Kongresszentrum, Boutiquen und Kunstgalerien. Bisher einmalig ist eine Rechenzentrale, die in Echtzeit Daten von Sensoren im Innen- und Außenbereich empfängt, um bei Bedarf die Haustechnik zuzuschalten. Mit einer Durchschnittstemperatur von rund 23 Grad Celsius liegt die Stadt in der subtropischen Klimazone. Die zweifach isolierte Glasfassade mit vertikalen Luftschächten lässt sich bei starker Sonneneinstrahlung belüften, elektronisch gesteuerte Beschattungselemente an den Fenstern werden automatisch justiert, um das Raumklima konstant zu halten. Auch die Gärten werden vollautomatisiert gedüngt und gegossen. Die Energie für die High-Tech-Feature generiert eine Photovoltaikanlage. Um den CO2-Fußabdruck zu minimieren, wird auf recycelte Baumaterialien zurückgegriffen. Tower C befindet sich seit 2020 im Bau und soll 2027 bezugsfertig sein.

Eden in Singapur

In Singapur konstruierte Heatherwick Studio einen 20-stöckigen Wolkenkratzer namens Eden in der Nachbarschaft der historischen Orchard Road. Als „Kontrapunkt zu allgegenwärtigen Glas- und Stahltürmen“ besteht Eden aus 20 Apartments über eine ganze Etage, deren begrünte Terrassen als vertikale Landschaft aus hängenden Gärten angelegt sind, um für jeden Bewohner eine eigene, private Grünfläche im Himmel und ein ruhiges Wohnerlebnis mit Aussicht über die Stadt zu schaffen.

EDEN by Swire Properties 2

Der traditionelle Raumplan mit kleinen Zimmern weicht einem großen lichtdurchfluteten Raum mit Fenstern auf drei Seiten, die kühlende Querlüftung und Blick auf die begrünten Balkone bieten. Die Fassade des Gebäudes wirkt durch die dreidimensionale, organische Form der Terrassen lebendig. Die unterste Wohnung liegt über einer 18 Meter hohen Lobby, ein mit grünen Keramikfliesen verkleideter Swimmingpool befindet sich im Sockel des Wohnturms. Das Anwesen ist von Singapurs Vision einer „Stadt im Garten“ inspiriert. Es wurde 2019 fertiggestellt und ist vollständig verkauft.

Southbank by Beulah in Melbourne

Der von UNStudio und COX Architecture entworfene Wolkenkratzer Southbank by Beulah in Melbourne, Australien, verfügt über zwei Türme, die um einen „grünen Rücken“ aus Terrassen, Plattformen und Veranden angeordnet sind. Als höchster vertikaler Garten der Welt konzipiert, umfasst das Projekt 15.500 Quadratmeter Landschaftsgartengestaltung. Auf den Terrassen gesammeltes Wasser wird zur Wiederverwendung als Bewässerung unterirdisch gesammelt, während von Pflanzen gespeichertes Wasser dazu beiträgt, umliegende Flächen im Sommer zu kühlen und im Winter zu wärmen.

Beulah – STH BNK

Die Pflanzenarten züchtet eine Baumschule in Viktoria vor der Umsiedlung unter ähnlichen Umweltbedingungen, um sicherzustellen, dass sie an ihrem neuen Standort optimal gedeihen. Berg- und Küstenpflanzen platziert man auf höheren Ebenen, großblättrige Rassen in niedrigeren Höhen. Die vertikale Mini-Metropole Southbank verbindet privaten Wohnraum mit Gewerbeflächen und öffentlichen Grünanlagen: Ein urbanes Fünf-Sterne-Resort, eine Kindertagesstätte, ein Gesundheits- und Wellnessbereich, Kunst- und Kulturräume sowie moderner Einzelhandel sollen hier Platz finden. Der Bau wird 2022 beginnen und fünf Jahre dauern.

WoHo Berlin

Das norwegische Büro Mad Arkitekter erschuf WoHo, ein hölzernes Wohnhochhaus im Berliner Kiez Kreuzberg. Der 98 Meter hohe Wolkenkratzer wird auf 29 Etagen Miet- und Studentenwohnungen sowie Einkaufsmöglichkeiten beherbergen. Begrünte Balkone und Terrassen geben dem Gebäude eine weitere nachhaltige Note. WoHo ist eine neue Art von Hochhaus mit einem sozialen Profil, in vielerlei Hinsicht ist es selbst eine kleine Stadt. Die Verwendung von Holz verleiht dem Bau Wärme sowie einen deutlich reduzierten CO2-Fußabdruck im Vergleich zu traditionelleren Bauweisen.


mad arkitekter/utb

Die öffentlichen Bereiche befinden sich im Sockel über sieben Stockwerke. Im Erdgeschoss sind Gewerbeflächen für Bäcker, Cafés, Späti und Werkstätten vorgesehen, in den Etagen darüber Kita und Hort mit Außenflächen, Kantine, Indoor-Spielplatz, Ateliers und Geschäfte. Neue Maßstäbe setzt das WoHo durch die Reduzierung von Fahrzeugstellplätzen zugunsten von Sharing-Angeboten für Autos und Fahrräder, darunter auch Lastenfahrräder. Auflademöglichkeiten für die E-Mobilität sind geplant, ebenso Fahrradgaragen mit Werkstatt. Zwischen den vielen Wohn- und Geschäftsbereichen des Gebäudes entstehen kleine urbane Plätze und üppige Grünflächen, die das Projekt mit den umliegenden Parks und Straßen verbinden. Der Baubeginn ist für 2024 angesetzt.


mad arkitekter/utb

Auflademöglichkeiten für die E-Mobilität sind geplant, ebenso Fahrradgaragen mit Werkstatt. Zwischen den vielen Wohn- und Geschäftsbereichen des Gebäudes entstehen kleine urbane Plätze und üppige Grünflächen, die das Projekt mit den umliegenden Parks und Straßen verbinden. Der Baubeginn ist für 2024 angesetzt.

Ein Trend wird Standard

Der Beschluss der Europäischen Union, bis 2050 klimaneutral zu sein, macht die Nachhaltigkeit von neuen Bauprojekten unabdingbar. Investoren zeigen großes Interesse an grüner Architektur. Deutsche Städte und Gemeinden setzen zunehmend Förderprogramme für Gebäudebepflanzung auf, München trägt 50 Prozent der Kosten, wenn eine zur Straßenseite liegende Hauswand begrünt wird. Pflanzen verbessern das Klima durch ihre Sauerstoffproduktion, Insekten und Vögel finden neue Lebensräume, Lärm wird reduziert, Wärme und Kälte im Gebäude reguliert. Ein wichtiger Faktor für den Erfolg grüner Hochhäuser: Wasser- und Nährstoffzufuhr müssen funktionieren, am besten automatisch. Durch die Temperaturunterschiede in Deutschland zwischen Sommer und Winter kommen nur wenige Pflanzenarten für die Begrünung von Fassaden und Dächern in Frage. Efeu dämmt, Wein schützt vor Hitze.

Nicht nur die innovativsten Wolkenkratzer der Welt erhalten Begrünungsflächen, auch in Ihrem Eigenheim gibt es verschiedene Möglichkeiten, mit Grün zu einem besseren Klima beizutragen.

Lesen Sie unsere Tipps für die richtige Begrünung beim Eigenheim.

Text: Birgit Unger

Titelbild: Das Hochhaus Southbank von Beulah STH BNK in Melbourne