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Seit einigen Jahren gibt es auf dem Immobilienmarkt eine neue Entwicklung: das vernetzte Haus, auch „e-House“, „intelligentes Haus“ oder „Smarthouse“ genannt. Ob sich diese Idee langfristig wird etablieren können, ist derzeit noch ungewiss – Hausgerätehersteller, Energieversorger und Telefongesellschaften haben ein großes Interesse daran, nicht zuletzt, weil sie die dafür erforderlichen Geräte und Dienste vertreiben.

Über 50 Prozent wollen intelligente Haustechnik in Neubau-Immobilien

Ende 2012 hat das Marktforschungsinstitut Forsa im Auftrag eines der größten deutschen Fertighausunternehmen eine Marktstudie zum Thema „Intelligentes Haus“ durchgeführt. Das Ergebnis: 57 Prozent der Immobilienkäufer halten die Integration „intelligenter Haustechnik“ bei einem neuen Haus für wichtig und würden einige Tausend Euro in die entsprechenden Technologien investieren. Im Fokus des Interesses stehen dabei die Themen „Intelligenter Energieverbrauch“ sowie „Installation von Anwendungen gegen Einbrüche“.

Das „intelligente Haus“ basiert auf Vernetzung

„Das intelligente Haus denkt mit“, so lautet ein Slogan. In der Tat basiert ein Grundprinzip des e-Houses auf der Kommunikation von Haushaltsgeräten untereinander bzw. auf der Steuerung via Handy oder PC. „Vernetzung“ heißt das Grundprinzip: durch Funkwellen sind die Haushaltsgeräte miteinander verbunden. Geht zum Beispiel im Haus das Licht an, kann sich automatisch auch die Heizung einige Grade wärmer stellen, denn beide sind durch ein Funknetz miteinander verbunden und reagieren aufeinander.

Das Licht zum Beispiel lässt sich von unterwegs vom Bewohner der Wohnung oder des Hauses per Smartphone, PC oder Tablet ein- und ausschalten, die Heizung ebenso. Auch die elektrischen Rollläden sind an das System angeschlossen: erhalten sie via Smartphone, Tablet, PC – oder einem anderen Haushaltsgerät – via Funkübertragung die entsprechende Order, so fahren sie automatisch hoch bzw. herunter.

Alternativ besteht die Möglichkeit, Lichtsensoren zu installieren, die mit den elektrischen Rollläden verbunden sind. Meldet ein Lichtsensor etwa Sonnenschein, gibt er das entsprechende Signal an die Rollläden weiter mit dem Ergebnis, dass die Jalousien automatisch herunter fahren.

Clevere Thermostate sollen Heizkosten senken

Auf dem Markt sind bereits Heizungen erhältlich, deren Thermostate durch angeschlossene Sensoren „spüren“, wenn sich gerade niemand im Zimmer befindet und sich dann automatisch ein bis zwei Stufen kleiner stellen. Und es gibt Heizungsthermostate, die über „selbstlernende Fähigkeiten“ verfügen: aufgrund von Nutzungsgewohnheiten ihrer Bewohner prägen sie sich nach einiger Zeit ein, wann sie ein- oder ausgeschaltet werden und speichern diese Zeiten automatisch, um sich selbständig steuern zu können.

Das mag nach Zukunftsmusik oder Science Fiction-Phantasien klingen, die Utopie geht jedoch weiter und wird bereits in weltweiten Technologiezentren umgesetzt: Forscher entwickeln Kühlschränke, die von sich aus mitteilen, ob alle Zutaten für ein übermitteltes Rezept vorhanden sind – es soll „Intelligente Herdplatten“ geben, die sich selber ausschalten, wenn ihr Besitzer in der Eile vergessen hat, es zu tun.

Das „e-Haus“: ein sinnvoller Schutz gegen Einbrecher

Während sich Hersteller intelligenter Kühlschränke und Herdplatten noch Gedanken über die Vermarktung ihrer Geräte machen, hat das „e-Haus“ bereits seine Anhänger im Bereich Einbruchschutz gefunden. Mit dem Öffnen und Schließen von Jalousien oder dem Ein- und Ausschalten des Lichtes per Fernsteuerung wird – gerade in Urlaubszeiten – Anwesenheit vorgetäuscht. Einbrecher wissen nicht, wann wirklich jemand daheim ist – und wann nicht. Ergänzend lassen sich Tür- und Fensterüberwachungen einstellen, die melden, wenn noch ein Fenster oder eine Tür im Haus offen gelassen wurden. Spezielle Sensoren reagieren auf Glasbruch und alarmieren im Falle eines Einbruchs automatisch einen externen Sicherheitsdienst.

Bewegungsmelder unterstützen pflegebedürftige Menschen

Intelligente Wohntechniken können ebenso dazu eingesetzt werden, alten und pflegebedürftigen Menschen über lange Zeit hinweg ein selbst bestimmtes Leben in der eigenen Wohnung zu ermöglichen. So sind Bewegungsmelder erhältlich, die Angehörige oder Pflegedienste alarmieren, wenn sie über längere Zeit keine Aktivität in der Wohnung wahrnehmen. Oder Sensoren an der Badewanne die melden, wenn das Wasser überläuft.

Smart Metering: Energieeffizienter Stromverbrauch

Richtig sinnvoll werden die Innovationen rund um das „Intelligente Haus“ wenn sie dazu beitragen, Energie zu sparen. Es gibt Waschmaschinen, die durch ein angeschlossenes Smart Metering-System automatisch die Zeiten ermitteln, wo der Strom am günstigsten ist und sich nur dann – vorwiegend nachts – einschalten. In der Entwicklung befinden sich Anlagen, welche erkennen, wann Strom aus erneuerbaren Energien (zum Beispiel von einer Solaranlage auf dem Dach) verfügbar ist und automatisch diese Energie einspeisen.

Möglich machen diese Anwendungen Smart Metering- und Smart Grid-Systeme. „Smart Metering“ ist der Ausdruck für intelligente Stromzähler; entsprechend steht „Smart Grid“ für ein intelligentes Stromnetz. Intelligente Stromzähler zeichnen Verbrauchszahlen und Nutzungszeiten elektrischer Geräte auf, so dass der Verbraucher jederzeit nachvollziehen kann, wann er wie viel Strom genutzt hat.

Smart Metering-Stromzähler sind für Neubau-Immobilien Pflicht

Die Integration von Smart Metering-Geräten ist für Neubau-Immobilien seit 2010 Pflicht und wichtiger Bestandteil eines intelligenten Stromnetzes. Der Stromverbrauch soll damit transparenter und die Stromrechnung niedriger werden. Das gilt vor allem für Stromtarife, die an bestimmte Verbrauchszeiten gekoppelt sind.

Um Verbrauchsspitzen zu vermeiden und Stromkosten zu senken können Kunden, die zeitenabhängige Stromtarife nutzen, dazu übergehen, bestimmte Haushaltsgeräte nur noch dann einzuschalten, wenn weniger Strom verbraucht wird – sie können zum Beispiel Elektroautos oder Geräte, die mit einem Akku aufgeladen werden, nachts an die Steckdose anschließen.

Die Kosten: ca. 600 Euro bis 2.000 Euro für eine Basisausstattung

Ganz billig ist die Implementierung eines „Intelligenten Netzes“ in den eigenen vier Wänden nicht. Zwischen ca. 600 Euro und ca. 2.000 Euro kostet laut RWE eine Basisausstattung für das „intelligente Heim“. Dabei kommt es auch darauf an, ob man in einem freistehenden Haus lebt oder in einer Neubauwohnung. Ein Haus benötigt mehr und andere Geräte, als eine Eigentumswohnung in einem Mehrfamilienhaus.

Einzelelemente wie ein Komplettpaket zur Rollladensteuerung mit eingebautem Helligkeitssensor und einer Schaltzentrale ist ab ca. 560 Euro erhältlich. Ein Paket für eine Fußbodenheizung, die von unterwegs ein- und ausgeschaltet werden kann, kostet ab ca. 340 Euro. Wer eine „mittlere Ausstattung“ mit umfassenderer Hausvernetzung bevorzugt, muss schon etwas tiefer in die Tasche greifen: hier fallen Kosten bis zu ca. 4.000 Euro an.

Noch befindet sich das „e-Haus“ im Spektrum zwischen Zukunftsspinnerei und intelligenter Energienutzung. Ganz durchsetzen auf dem Markt konnte sich die Idee bislang nicht. Zunächst waren Projekte dieser Art ausschließlich im Luxus-Segment angesiedelt, mittlerweile greifen auch immer mehr mittelständische Bauherren auf Elemente des „vernetzten Heims“ zurück. Wie die Entwicklung weiter geht, wird sich in den kommenden Jahren zeigen.

Pro „Das intelligente Haus“:

  • Schutz vor Einbrechern
  • Unterstützung für alte und pflegebedürftige Menschen
  • Senkt Energiekosten

Contra „Das intelligente Haus“:

  • Zusätzlicher Kostenfaktor (Implementierung des Netzes und evtl. Kauf von neuen Haushaltsgeräten)
  • Technischer Aufwand: Geräte müssen aufeinander abgestimmt werden
  • Mehr „Elektrosmog“ im Haus durch neue Funknetze

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Titelbild: pixabay