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In Deutschland fehlen bis zum Jahr 2020 Studien zufolge über drei Millionen altersgerechte Wohnungen. Bauträger haben den Mangel erkannt und reagieren – wenn auch verspätet – darauf mit dem Bau des entsprechenden Wohnraumes. Diese Maßnahmen sind wichtig und dringend – dennoch lassen sich Neubauwohnungen oft mit wenig Aufwand auch für das Leben im Alter nachrüsten, wie das folgende Beispiel zeigt.

Dieser Fall ist keine Seltenheit: ein älteres Ehepaar lebt in einem hochwertigen Penthouse im begehrten Münchner Stadtteil Bogenhausen und beabsichtigt, dort seinen „goldenen Lebensabend“ zu verbringen. An einem frühen Montagmorgen stolpert der Hausherr über eine Teppichkante und fällt die Treppe herunter – es folgt eine Operation und die Diagnose, künftig mit einer Gehbehinderung leben zu müssen. Dafür ist die luxuriöse Neubauwohnung im obersten Stock nicht ausgestattet. Zumindest bis jetzt nicht.

Da der Neubau über einen Aufzug direkt in die Wohneinheit verfügt und damit eine wesentliche Voraussetzung zum Erreichen des Penthouses erfüllt ist, möchte das Ehepaar weiterhin in seiner modernen Eigentumswohnung bleiben. Allerdings werden einige Änderungen in der Ausstattung notwendig, damit beide weiterhin uneingeschränkt dort leben können.

In unserem Beispiel profitiert das Ehepaar insbesondere davon, dass es sich bei ihrer Wohnung um eine Neubau-Immobilie handelt: im Gebäude selber verbindet ein Fahrstuhl die Tiefgarage mit ihrem Penthouse. Die Beleuchtung im überdachten Eingang und im Hausflur ist ausreichend, die Türen und Hauseingänge sowie der Aufzug sind entsprechend breit.

Altersgerechte Wohnelemente: kleine Maßnahmen können genügen

Verfügt eine Neubauwohnung bereits über maßgebliche Elemente wie Aufzug, gute Beleuchtung, großzügige Grundrisse und breite Türen, genügen oft bereits kleine Umbaumaßnahmen und Ergänzungen, um die Wohnung auch dann komfortabel zu gestalten, wenn Handicaps den Alltag einschränken.

Kostengünstig und einfach zu montieren sind ergänzende Hilfsmittel wie spezielle Haltegriffe im Bad, in der Dusche und am WC ebenso wie auf der Terrasse oder am Balkon. Ein Stuhl im Garderobenbereich erleichtert den Alltag für ältere Menschen oder Bewohner mit körperlichen Einschränkungen oft ungemein und erfordert lediglich einen minimalen Aufwand.

In der Küche kann bereits das Anbringen von Regalen oder Beistelltischen in einer gut zu erreichenden Höhe dazu beitragen, dass tägliche Abläufe schneller von der Hand gehen.

Im Schlafbereich sollten sich Beistelltische und Steckdosen in der unmittelbaren Umgebung des Bettes befinden, das optimalerweise höhenverstellbar ist.

Insbesondere für allein lebende ältere Menschen kann ein Hausnotrufsystem, zum Beispiel vom Deutschen Roten Kreuz, essenziell wichtig werden und ein Höchstmaß an Freiheit schenken. Das System besteht aus einer Teilnehmerstation und einem Funksender, der direkt am Körper getragen wird und in direkter Verbindung zu einer Hausnotrufzentrale steht. Die Bedienung ist denkbar einfach. Ein Knopfdruck genügt und der Kontakt zur Betreuungsstation ist hergestellt. Diese alarmiert im Notfall den Arzt oder den Rettungsdienst.

Pflegehilfsmittel können von der Pflegekasse finanziert werden

Im Falle einer eintretenden Pflegebedürftigkeit können Pflegehilfsmittel wie ein höhenverstellbares Bett oder ein Hausnotrufsystem von der Pflegekasse übernommen werden. Besteht die Notwendigkeit eines Umbaus wie zum Beispiel die Implementierung einer bodengleichen Dusche, muss vor Beginn der Umbaumaßnahmen ein Antrag bei der Pflegekasse eingereicht werden, um eine entsprechenden Förderung zu erhalten. Übernommen werden Kosten bis zu maximal 2.557 EUR pro Maßnahme.

Bundesländer fördern den altersgerechten Umbau

Wer seine Wohnung altersgerecht umbauen möchte, kann des Weiteren auf entsprechende Fördermöglichkeiten der Bundesländer zurückgreifen. Kranken- und Pflegekassen der einzelnen Länder unterstützen ebenso wie Vereine, Selbsthilfegruppen und kommunale Einrichtungen mit Darlehen und Zuschüssen. Die meisten Fördermöglichkeiten bietet derzeit die KfW Bank.

Eigentümer erhalten bis zu 50.000 Euro für den altersgerechten Umbau

Für eine Nachrüstung oder einen Umbau in größerem Maße besteht für Wohnungseigentümer die Möglichkeit, ein zinsgünstiges Darlehen der KfW Bank in Anspruch zu nehmen. Dieses beträgt maximal 50.000 Euro. Das entsprechende Programm dazu heißt „Altersgerecht Umbauen“ und trägt die Programmnummer 159.

Die entsprechenden Anträge werden vor Beginn der Umbaumaßnahmen direkt über die Hausbank, die Sparkasse oder eine Versicherung gestellt. Es empfiehlt sich, einen Sachverständigen hinzuzuziehen, der fachgerecht abschätzen kann, welche Maßnahmen sinnvoll sind und in welchem Kostenrahmen sie sich bewegen.

Linktipp

Lesen Sie mehr über bedarfsgerechte Anpassung von Wohnungen hier

Erfahren Sie mehr über das Förderprogramm der KfW Bank.

Die Förderprogramme der einzelnen Bundesländer:

Welche Möglichkeiten eine Neubauwohnung auch im späteren Alter bietet, kann oft bereits im Exposé ersichtlich werden. Lesen Sie, woran Sie gute Baubeschreibungen und Exposés erkennen.

Titelbild aus dem Neubauprojekt „Service-Wohnen Hemelingen“ (WirtschaftsHaus Gruppe)