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3D-Drucker

Sensation – vor wenigen Wochen startete die PERI GmbH im bayerischen Wallenhausen den Druck eines Mehrfamilienhauses mit einem 3D-Betondrucker. Das 5-Familienhaus mit einer gesamten Wohnfläche von ca. 380 Quadratmetern wird nach seiner Fertigstellung – Druckzeit ist vsl. 6 Wochen – das größte gedruckte Wohnhaus in Europa sein. Im September 2020 druckte das Familienunternehmen PERI mit Hauptsitz in Weißenhorn ein Wohnhaus im westfälischen Beckum. Wir freuen uns, dass sich Jan Graumann, Global Business Development Manager 3D Construction Printing bei der PERI Group, Zeit für ein Interview genommen hat. Lesen Sie viel Wissenswertes über die Bauweise aus dem 3D-Drucker, die auch im KfW-55-Effizienzhausstandard möglich ist.

Für das derzeit größte gedruckte Wohnhaus in Europa dauert die voraussichtliche Druckzeit 6 Wochen. Wie lange war die Vorlaufzeit?

Jan Graumann: Es gab rund ein Jahr Vorlauf. Die Erstellung des ersten Gutachtens brauchte einfach etwas Zeit und wir haben diverse Testreihen mit dem Druckmaterial gemacht. 

Haben Sie vorher „Testhäuser“ entwickelt, bevor Sie das große Projekt in Angriff nahmen?

JG: Nein, es gab keine „Testhäuser“. Wir haben diverse „Detaillösungen“ (z.B. Sturz oder Integration von Elektroinstallationen in den Wänden) testmäßig gedruckt.

Jan Graumann, Global Business Development Manager 3D Construction Printing PERI Group, (Bild: PERI Group)

Was unterscheidet die Neubauwohnungen in einem gedruckten Haus von herkömmlichen Wohnungen?

JG: Generell gibt es da in puncto Qualität, Sicherheit, Wohnkomfort etc. keine Unterschiede, alles ist analog zu Häusern in „herkömmlicher“ Bauweise.  Wir haben heute in Deutschland einen sehr hohen Baustandard und die gedruckten Häuser stehen dem in nichts nach. Auch KfW-55 mäßig können wir das erreichen. Unterschiede gibt es ggf. bei der Fassadenoptik (wenn der Planer/Architekt/Bauherr) dies wünscht. In Beckum bleibt die typische „Druckoptik“ der Fassade bestehen, in Wallenhausen werden die Wände zum größten Teil verputzt.

Auf was sollten sich die künftigen Bewohner einstellen?

JG: Eine tolle Wohnung, die mit einer Zukunftstechnologie erstellt wurde. Wohnen in einem Haus, das zu den ersten seiner Art gehört. Ich weiß nicht so recht, worauf Sie mit dieser Frage hinaus wollen?

Vorbereitungen für das Mehrfamilienaus aus dem 3D Drucker. Bild: PERI Group

Wie sieht es denn mit der Dämmung aus? Wie dick sind die Wände?

JG: In Wallenhausen gibt es eine Einblasdämmung mit Perlite. Die Außenwände bei diesem Projekt sind insgesamt 43cm dick. In Beckum wurde vom Planer darauf geachtet, mit recyclebaren Baustoffen sowie Recyclingbaustoffen zu arbeiten. Das Gebäude in Beckum kommt beispielsweise komplett ohne Polystyrol-Dämmstoffe aus und kann am Ende des Lebenszyklus nahezu vollständig der Wiederverwertung zugeführt werden. Auch in energetischer Hinsicht steht Beckum einem Niedrigenergiehaus in nichts nach.

Was sind – neben der kürzeren „Bau“ bzw. Druckzeit – die Vorteile bei dieser Art der Herstellung?

JG: Mit dem Drucker lassen sich beliebige individuelle Gestaltungswünsche realisieren. Auch bis dato nur sehr aufwendige und mit hohen Kosten verbundene Gestaltungen sind für einen Drucker kein Problem. 

Im Druckvorgang lassen sich bereits andere Gewerke teilweise integrieren (z.B. berücksichtigen von elektrischen Leitungen, Steckdosen, Sanitärrohren etc.). Das spart Zeit und Kosten.

Erhalten Sie viele Anfragen von Bauunternehmen, die beabsichtigen, auf diese Art des Hausbaus umzustellen?

JG: Ja, das Interesse ist nach den beiden Pilotprojekten in Beckum und Wallenhausen sehr groß. Wir sind aktuell bereits in konkreten Gesprächen zu den nächsten Projekten.

Vielen Dank für das Gespräch!

Nicht nur die Bauweise ist entscheidend für die Kosten einer Neubau-Immobilie – immer wichtiger werden auch die „B-Faktoren“. Lesen Sie hier, was es damit auf sich hat.

Titelbild: PERI Group