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Warum wirken manche Häuser hochherrschaftlich, manche funktional und nüchtern, andere modern bis avantgardistisch und wieder andere so großstädtisch? 

Neben Fassadengestaltung und Größe des Objekts spielt die Dachform eine wichtige Rolle. Ganz gleich, welches Dach Ihr Favorit ist – Bei dieser wichtigen Frage entscheidet in der Regel nicht nur Ihr persönlicher Geschmack.

Welches Dach am Ende Ihr Haus krönt, hängt von ganz unterschiedlichen, manchmal sehr pragmatischen Faktoren ab. So bestimmen z.B. regionale Bebauungspläne Dachformen oder Neigungsgrade. Bauherren und Baufirmen sind teilweise an Vorschriften der Gemeinde gebunden. Um z.B. ein einheitliches Erscheinungsbild in einem Wohnquartier zu gewährleisten, werden neben Neigungswinkel und Dachform mitunter auch Farbe und Material vorgegeben. 

Bisweilen sind auch die Klimaverhältnisse entscheidend (starker Schnee- oder Regenfall, sehr warme Temperaturen) – und oft genug hängt die Entscheidung auch von den jeweiligen finanziellen Möglichkeiten ab. Manche Dächer sind in der Anschaffung bzw. Konstruktion günstig, beanspruchen aber hohe Instandhaltungskosten. 

Die wichtigsten Infos zu den beliebtesten Dachformen plus eine Übersicht der Vor- und Nachteile haben wir für Sie hier recherchiert.

Satteldach – der zeitlose Klassiker

Die häufigste Dachform in Deutschland ist das Satteldach. Es besteht aus zwei geneigten Dachflächen. Verbunden sind die Dachflächen an ihrer höchsten Kante, dem Dachfirst.

Dieses Satteldach findet sich beim Bauvorhaben 008 Beislerstraße in Gröbenzell. Bild: AMPER IMMOBILIEN UND WOHNBAU GMBH


Im Detail:

Die Dachneigung variiert, im Normalfall zwischen 38 und 45 Grad. Ein Dach mit einer Neigung von weniger als 30 Grad wird als Flachsatteldach bezeichnet. Ein Satteldach mit einer Neigung von 45 Grad ist als Winkeldach oder auch als „neudeutsches Dach“ bekannt.
Bildet die Giebelfläche ein gleichseitiges Dreieck, ist von einem „altfränkischen  Dach“ die Rede. Bei einer Neigung von 62 Grad und drüber spricht man von einem altdeutschen oder einem gotischen Dach. 

Vorteile:

  • Einfach! Die Konstruktion ist einfach und dadurch relativ preisgünstig.
  • Robust! Satteldächer gelten als weniger wartungsintensiv als andere Dachformen. 
  • Variabel! Satteldächer bieten viele Gestaltungsmöglichkeiten durch Neigungswinkel, Gauben, Dachfenster, Giebelfenster, Vordach, dritter Giebel etc.
  • Witterungsfest! Satteldächer eignen sich für viele unterschiedliche Regionen.
  • Umweltfreundlich: Dacheindeckungen mit Naturmaterialien sind möglich. Sonnenkollektoren können meistens problemlos installiert werden. 

Nachteile: 

  • Eine steile Dachform schränkt die Stellfläche ein und minimiert den Wohnraum im Obergeschoss.
  • Der Lichteinfall im Dachgeschoss ist relativ eingeschränkt. Einbauten von Dachfenstern sind kostspielig. 
  • Für große Flächen sind Satteldächer oftmals nicht optimal geeignet. 
  • Ist das Haus von allen Seiten der Witterung ausgesetzt, sind die Giebel nicht ausreichend geschützt.

Gut zu wissen:

Der Neigungswinkel ist wichtig, wenn es um Witterungseinflüsse geht. In Gebieten mit viel Schneefall zum Beispiel darf der Winkel weder zu flach noch zu steil ausfallen. Zu flach würde bedeuten, der Schnee bleibt liegen und die Schneelast ist irgendwann zu hoch. Bei einem zu steilen Neigungswinkel könnte der Schnee unkontrolliert abrutschen. 

Die günstigste Dachform ist das Satteldach entgegen aller Annahmen allerdings nicht. Hier macht das Pultdach das Rennen. 

Pultdach – stilvoll und flexibel.

Das Pultdach ist populär bei Neubauten. Es verfügt über eine einzige schräge Dachfläche, die Form erinnert an ein Schreibpult.

Pultdach aus dem Neubauprojekt Blumenstraße / Bild: Schwenkor Immobilien GmbH

Im Detail:

Ein „erweitertes Pultdach“ besteht aus zwei Pultdächern, die versetzt angeordnet sind. Durch diese Konstruktion wird die „hohe Wand“ eines einfachen Pultdachs vermieden. 

Vorteile: 

  • Kostengünstig! Pultdächer sind einfach in der Konstruktion und haben dadurch im Vergleich niedrige Anschaffungskosten.
  • Hell! Pultdächer ermöglichen eine gute Beleuchtung ohne Dachfenster oder Gauben.
  • Großzügig! Die Dachform ermöglicht eine gute Raumnutzung im Dachgeschoss. 
  • Smart! Regenwasser läuft gut ab.
  • Umweltfreundlich: Gut geeignet für Solar- und Photovoltaikanlagen

Nachteile: 

  • Die Form begünstigt eine schnelle Hitzeentwicklung im Dachgeschoss.
  • Pultdächern wird oft ein großer Aufwand bei Dämmung und Abdichtung nachgesagt.

Gut zu wissen: 

Die Kosten für einen Quadratmeter Pultdach liegen bei 120 Euro. Da das Pultdach bei gleicher Wohnfläche im Schnitt rund ein Drittel kleiner ausfällt als ein klassisches Satteldach, Dachrinnen und Fallrohre nur einseitig gebraucht werden – reduzieren sich die Kosten nicht nur bei Materialien sondern auch bei der Montage.   

Das Flachdach – modern im Bauhausstil

Es punktet mit niedriger Anschaffung, ist sehr flexibel aber wartungsintensiv. Ein Flachdach ist selten hundertprozentig flach. Laut Flachdachrichtlinie sollte das Gefälle mindestens 2 Prozent  – besser 5 Prozent – betragen (Nur so kann eine problemlose Entwässerung gewährleistet werden). 

Dieses Flachdach ist zu finden im Neubau Lechenwinkel Am Bergfeld

Im Detail:

In der Regel spricht man bei einem Neigungswinkel bis zu 10 Grad (=17,63 Prozent Gefälle) von einem Flachdach. Liegt der Winkel darüber kann ein Dach auch auf die übliche “Steildach-Weise” eingedeckt werden.

Vorteile:

  • Günstig! Die Kosten für die Konstruktion sind in der Regel niedrig.
  • Leicht! Flachdächer haben ein geringes Eigengewicht.
  • Flexibel! Der Wohnraum im Haus ist problemlos erweiterbar
  • Hell! Lichtkuppeln im Flachdach bringen problemlos Tageslicht in die Räume.
  • Grün! Das Flachdach kann als Dachterrasse genutzt werden – eine Dachbegrünung macht optisch was her und sammelt Klimapunkte.
  • Solaranlagen können unkompliziert und auch nachträglich installiert werden – spezielle Gestelle sorgen für eine ideale Position.

Nachteile:

  • Flachdächer sind wartungsintensiv und haben aus diesem Grund hohe Instandhaltungskosten. 
  • Die Dachkonstruktion kann (bei nicht fachgerechter Installation) anfällig für Wasserschäden und Schimmel sein. 
  • Ablagerungen wie Laub müssen regelmäßig entfernt werden.
  • In Regionen mit hohen Schneelasten muss eine sehr robuste Variante gewählt werden.
  • Stauraum, den normalerweise Dachböden bieten, gibt es nicht.

Nicht zuletzt das Dach und seine Form kann bei der Auswahl der künftigen Neubau-Immobilie eine Rolle spielen. Nice to have ist auch ein Wintergarten. Wobei hier, anders als beim Dach, die Möglichkeit besteht, die gewünschte Variante nachträglich anzubringen. Lesen Sie hier, was beim Planen und Bauen eines Wintergartens wichtig ist.

Text: Tanja Zimmermann

Das Titelbild stammt aus dem Bauvorhaben Stine in Hamburg-Schnelsen (Bild: Peters + Peters Wohn- und Anlageimmobilien)