| Ratgeber

Digitalisierte Prozesse haben ihren Preis und zeigen ihn uns nun auch deutlicher denn je. Denn sicher erreichen Ihre Abschlagszahlungen gerade auch ungeahnte Höhen! Besonders für Immobilieneigentümer ist es ratsam, nun das Thema Stromgewinnung neu zu denken. Warum nicht auf die Kraft der Sonne setzen? Bereits seit Jahren werden in vielen Neubauimmobilien Wärmepumpenheizungen installiert und mit einer Photovoltaik-Anlage verbunden. Ab Mai 2022 ist der Sonnenfänger bei Neubauimmobilien sogar Pflicht. Und auch wenn bei einem Bestandshaus das Dach saniert wird, muss ab 2023 eine Photovoltaik-Anlage installiert werden. Solarmodule werden als Bausteine großer Klimaschutzmaßnahmen im Gebäudebereich nach und nach fast auf jedem Dach in Deutschland Einzug halten. neubau kompass-Redakteurin Kerstin Funke hat sich vom Photovoltaik-Experten Thorsten Schomburg von Solarkonzepte Deutschland neuestes Wissen zum Nachrüsten einer Photovoltaik-Anlage geholt und auch gefragt, wie er den Trend zur Strom-Cloud bewertet.

Herr Schomburg, gibt es beim Thema Photovoltaik auf Seiten der Immobilieneigentümer*innen, die Sie beraten, häufig falsches Wissen oder Missverständnisse, die Sie regelmäßig hören und entkräften können?

Thorsten Schomburg: Im Grunde hören wir anfangs immer die drei gleichen Aussagen. Ganz oben steht: „Wir haben keine günstige Dachausrichtung.“ Da ist noch viel altes Wissen in den Köpfen der Hauseigentümer. Viele stellen sich vor, dass sie für eine wirtschaftlich arbeitende Photovoltaik-Anlage (Anmerkung der Redaktion: zukünftig abgekürzt auf PV-Anlage) ein Dach benötigen, das dank Süd- oder Südwestseite von einer direkten Sonneneinstrahlung profitiert. Schon seit Jahren verbauen wir sogenannte monokristalline Solar-Module. Diese kommen im Vergleich zu älteren Modellen mit nahezu dem doppelten Wirkungsgrad daher, benötigen aber nur diffuses bzw. gestreutes Tageslicht. Das Feld der Photovoltaik-Module ist sehr innovationsgesteuert. Dadurch gibt es immer leistungsstärkere und auch wirtschaftlichere Lösungen.

Thorsten Schomburg Solarkonzepte Deutschland

Damit kommen wir zu Punkt 2 bei den Bedenken, die wir oft hören. Viele Hauseigentümer denken nämlich, eine PV-Anlage sei nicht wirtschaftlich, weil die Zeiten großzügiger Einspeisevergütungen vorbei sind. Wir sagen: Die Ziele sind heute andere. Das Motiv für die Anschaffung einer PV-Anlage hat sich in den letzten Jahrzehnten verändert. Gestartet sind die ersten Projekte vor etwa 20 Jahren. Unsere Kunden waren risikobewusste oder klimabewusste Menschen, die damals schon an die heutigen Technologien glaubten. Die PV-Anlagen waren zudem reine Kapitalanlagen, die mit attraktiven Einspeisevergütungen subventioniert worden sind. In der heutigen Zeit liegt der Fokus bei der Anschaffung einer PV-Anlage ausschließlich auf der Reduzierung der Hausnebenkosten. Das Ziel ist heute, den selbsterzeugten Grünen Strom maximal selbst zu nutzen, um möglichst wenig aus dem deutschen Stromnetz zukaufen zu müssen. Heimspeicher machen es möglich. Fakt ist: Mit den ersten PV-Anlagen hat man mit dem Betrieb Geld verdient und aktuell spart man damit Geld.

Der dritte Punkt bei falschen Bedenken ist der Preis. Eine PV-Anlage sei doch viel zu teuer, hören wir regelmäßig. Dazu muss man aber wissen, dass der Förderkredit der KfW-Bank die Anschaffung einer solchen Anlage begünstigt. Wenn man die monatlichen Tilgungsbeträge für die Finanzierung der PV-Anlage mit den Abschlagszahlungen,die der Stromlieferant bisher erhob, vergleicht, ist es in vielen Fällen so,
dass man für die PV-Anlage nicht mehr bezahlt. Nach 8 Jahren ist die Anlage in der Regel abbezahlt. Das Programm heißt ‚Kredit Erneuerbare Energien – Standard (270)‘.

Wie sieht das ideale Dach aus, um dort Photovoltaik-Module zu montieren und möglichst viel Sonnenkraft einzufangen? Und brauche ich dafür eine Genehmigung einer Behörde?

TS: Optimal ist es, wenn man beim Dach mindestens eine Bebauungsfläche von 19 m² hat und diese auf OST-SÜD oder WEST ausgerichtet ist. Dann können ca. 4000 Kilowattstunden (KWh) produziert werden – so viel verbraucht man pro Jahr als Familie in etwa. Dank der neuen Technologien funktioniert dies auch in den sonnenärmsten Regionen Deutschlands.

Die Dacharten selbst sind meist nicht das Problem. Da sind geneigte Dächer grundsätzlich genauso gut geeignet wie Flachdächer. Es muss eben genug Platz für die Module sein. Auch eine Baugenehmigung ist nur in seltenen Fällen erforderlich, wie bei Gebäuden mit Denkmalschutz, Ensembleschutz oder bei Freiflächenanlagen.

In München müssen Garagendächer begrünt werden. Schließt sich dadurch eine Montage von Solarmodulen auf der Garage aus?

TS: Nein! Das Eigengewicht von extensiven Begrünungen liegt meist bei ca. 80 bis 120 kg/m² und entspricht etwa dem eines lose verlegten Kiesbelags. Daher ist es möglich, unter Verwendung von speziellen wannenförmigen Unterkonstruktionen eine Montage der PV-Anlage ohne mechanische Befestigung an der Dachstruktur zu realisieren. Durch das Auflastverfahren werden Dachdurchdringungen vermieden, die zu Schäden führen können.

Es kommt bei Gründächern sogar zu einem Synergieeffekt. Dieser besteht darin, dass durch die Dachbegrünung an der Dachhaut nur noch eine Temperatur von etwa 35 C° an der Oberfläche entsteht. Somit wird ein höherer Wirkungsgrad erfüllt. Im Vergleich dazu erreicht die Bitumenhaut 70 bis 80 C°. Da empfiehlt unser Solarkonzepte Deutschland Team eine Aufständerung von mindestens 10 Grad, um die Zirkulation des Luftstromes auf der Attika zu gewährleisten.

Worin liegen die wichtigsten Unterschiede zwischen einem Batteriespeicher im Keller und der virtuellen Strom-Cloud?

TS: Ein Heimspeicher ist aktuell die wichtigste Investition, um das Maximum von ca. 80 % an Autarkie zu gewinnen. Auf den ersten Blick sieht es so aus, als hätten die Energieversorger mit der Strom-Cloud die ideale Lösung für 100-prozentige Autarkie gefunden. Tatsächlich ist das Cloud-Modell allerdings mit einigen Nachteilen verbunden, über die man sich als Verbraucher im Klaren sein sollte.

Zum einen tritt man als Strom-Cloud-Nutzer die Einspeisevergütung an den jeweiligen Anbieter ab, zum anderen wird für die Cloud eine monatliche Grundgebühr fällig (zwischen 22 € und 120 €). Für diese gibt es oft keine Preisgarantie. Richtig teuer wird es, wenn man am Ende vom Jahr doch noch Strom zukaufen muss. Dann liegt der Preis pro kWh bei den Cloud-Anbietern meist deutlich über dem eines klassischen Stromanbieters.

Gibt es bei Stromspeichern und der Cloud auch steuerliche Besonderheiten?

TS: Deutliche! Wer sich eine PV-Anlage kauft und den überschüssigen Strom ins Netz einspeist, der hat im steuerlichen Sinne eine Gewinnerzielungsabsicht. Das bedeutet, dass die Einnahmen im Lauf der steuerlichen Betrachtungszeit von üblicherweise 20 Jahren mindestens so hoch sind wie die Ausgaben (einschließlich Abschreibungen). Dadurch ist der Betreiber der PV-Anlage vorsteuerabzugsberechtigt und bekommt die im Kaufpreis der Anlage enthaltene Mehrwertsteuer in Höhe von 19 Prozent vom Finanzamt erstattet. Je nach Anlage können das mehrere Tausend Euro sein.

Bei Strom-Cloud-Tarifen, die einzig der Deckung des Eigenbedarfs dienen, kann es hingegen passieren, dass das Finanzamt die Gewinnerzielungsabsicht nicht anerkennt und die Vorsteuer im schlimmsten Fall zurückbezahlt werden muss. In jedem Fall ist es ratsam, vorab mit dem Steuerberater, respektive dem Finanzamt Rücksprache zu halten. Nur eine eigene Pv-Anlage macht Sie unabhängig!

Im Endeffekt handelt es sich bei der Strom-Cloud um nichts anderes als um einen Stromtarif, in den eine Pv-Anlage und ein Stromspeicher integriert sind. Als Kunde haben Sie so gut wie keinen Einfluss auf die in Ihrer Anlage verbauten Komponenten – und auch die Probleme, die entstehen, wenn Sie dauerhaft mehr oder weniger Strom produzieren als vereinbart, sollten nicht außer Acht gelassen werden. Aus all diesen Gründen ist eine eigene Pv-Anlage ohne Cloud-Vertrag für die meisten Verbraucher die wirtschaftlich weitaus lukrativere Alternative.

Welche Förderungen kann ich für meinen „Sonnenfänger“ beantragen und wie sieht mein eigener Kostenanteil aus?

TS: Von 16 Bundesländern bieten aktuell sechs eine Förderung für Photovoltaik an: Baden-Württemberg, Bayern, Berlin, Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz und Thüringen.

Die Förderung variieren von Bundesland zu Bundesland. Aktuell gibt es 500 € pro Batteriespeicher, der mindestens 5 kW erfüllt und zusätzlich 75 bis 150 € pro kWp installierte Modulleitung. Die Grenze der subventionierten Pv-Anlagen liegt bei 30 kWp. Wp steht für Watt Peak und ist eine im Bereich der Photovoltaik gebräuchliche Bezeichnung für die elektrische Leistung von Solarzellen. Mit 1 kWp können ca. 1.000 kWh Solarstrom erzeugt werden.

Die attraktivste Förderanpassung unserer Regierung wurde 2021 beschlossen: Bei einer Anlagengröße von bis zu 30 kWp und einem Eigenverbrauch von unter 30.000 Kilowattstunden muss keine EEG-Umlage mehr auf den selbstverbrauchten Strom gezahlt werden. Dieses „Zuckerl“ wurde durch die Ausweitung der Digitalisierung und Elektromobilität sowie die Photovoltaikpflicht möglich.

Vielen Dank für das aufschlussreiche Interview, Herr Schomburg.

Avella Lane – eines der neuesten Bauprojekte auf nebau kompass
Bild: B&M Projektentwicklung und Finanz-Service GmbH

Schon seit einigen Jahren erfüllen viele Neubauprojekte, die Sie auf neubau kompass finden, dank ihrer energieeffizienten Ausstattung hohe ökologische Standards. Die vier Einfamilienhäuser des Projekts Avella Lane in Gräfelfing zeigen, wie es geht. Sie werden als Holztafelbau realisiert und erreichen durch die Photovoltaikanlagen mit hauseigenem Batteriespeicher im Untergeschoss eine Unabhängigkeit vom öffentlichen Stromnetz. Auch die Ladestationen der Stellplätze werden über die PV-Anlage versorgt.

Es wird sicher schnell gehen mit den weiteren Innovationen im energetischen Bereich. Unser Beitrag Wasserstoff: Pionierarbeit für ein klimaneutrales Wohnen zeigt, dass die Forschung schon einige ausbaubare Lösungen bereithält. Lesen Sie gleich weiter!

Das Titelbild stammt von User 0fjd125gk87 auf Pixabay.