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Wohnen im Grünen - Tiny House

Was mit einer Bewegung der umweltbewussten Szene ab 2007 in den USA begann, findet auch in Deutschland in den letzten Jahren immer mehr Anhänger. Insbesondere Minimalisten und Freigeister haben das „Tiny House“, kleine Domizile wahlweise auf Rädern oder festem Boden, für sich entdeckt. Lesen Sie heute, welche Arten von Tiny Houses möglich sind und was Sie beim Kauf bzw. Bau eines Kleinhauses in Deutschland beachten sollten.

Unter einem Tiny House versteht man ursprünglich ein Haus auf Rädern, das sich – zumindest in den USA, in Deutschland sieht das noch anders aus – bequem von einem Platz zum anderen ziehen lässt. Hierzulande fällt das auf einen Trailer aufgebaute „Tiny House“ in die Kategorie „mobile Häuser“. Auch umgebaute Bau- und Zirkuswagen gehören in diese Gruppe. Kaum eins dieser „mobilen Tiny Houses“ hat mehr Wohnfläche als 15 Quadratmeter.

Mobiles Tiny House: Bauwagen. Bild: pixabay

Parallel zu den winzigen Domizilen auf Rädern gibt es kleine stationäre Häuser, die ebenfalls umgangssprachlich als „Tiny House“ bezeichnet werden. In der Regel verfügen die stationären Häuser, die in Deutschland auch „Mikrohaus“, „Minihaus“ oder „Kleinhaus“ heißen, über mehr Wohnfläche als ihre fahrbaren Geschwister. Je nach Typus, sind Wohnflächen bis 45 Quadratmeter und zum Teil sogar mehr möglich. Das durchschnittliche stationäre Haus hat eine Wohnfläche von bis zu 25 Quadratmeter. Obwohl sehr klein, verfügt ein Tiny House dennoch über alles Wesentliche, was man zum Wohnen braucht: es gibt einen Wohnbereich mit Kochnische, ein Bad mit Dusche und Toilette und einen Schlafbereich, manchmal regalartig in die Wand eingearbeitet.

Was die Bauweise der stationären Minihäuser betrifft, kann man auch zwischen „Modulhäusern“, bestehend aus einem modularen Raumsystem, oft würfelartig angeordnet, und „Containerhäusern“ unterscheiden. Letztere bestehen aus alten Schiffscontainern und sind insbesondere in Skandinavien beliebt, wo die Bauordnung nicht ganz so strikt ist wie hierzulande.

Containerhaus – in Deutschland noch schwierig zu realisieren. Bild: unsplash

Wohnen im Minihaus: In den Ferien oder auf Dauer?

Auch in Deutschland gibt es immer mehr Menschen, die dauerhaft in einem Tiny House wohnen möchten. Andere quartieren sich im Urlaub gerne in einem umgebauten Bau- oder Zirkuswagen an einem schönen Platz ein. Wenn Sie mit dem Gedanken spielen, dauerhaft in ein Tiny House zu ziehen, empfehlen wir Ihnen in jedem Fall, vorher für einige Zeit in einem „Probe zu wohnen“. So können Sie sich eine Vorstellung davon machen wie es ist, auf sehr begrenztem Raum zu leben. Angebote für Tiny Houses zum Mieten finden sich bundesweit im Internet.

Bild: unsplash

Insbesondere zu Zeiten des Lockdowns im Frühjahr dieses Jahres wurden die Bewohner von Tiny Houses auf eine harte Probe gestellt. Wenn man gezwungen ist, daheim zu bleiben und kaum Ausweichmöglichkeiten zur Verfügung stehen, kann es in einem Minihaus schon mal verdammt eng werden. Deshalb arbeiten einige Bewohner seit diesem Sommer an der Erweiterung ihres Domizils. Das ist zum Beispiel mit dem Anlegen einer Terrasse vor dem Haus möglich; andere haben eine „Gartensauna“ eingebaut, um in einem separaten Raum entspannen zu können.

Viele Modelle – zu unterschiedlichen Kosten

Die Preise für ein Tiny House variieren je nach Haustyp. Einen „Wohnwagon“ des gleichnamigen österreichischen Herstellers gibt es bei Größen von ca. 15 bis 42 Quadratmetern bereits ab 50.570 Euro. Entscheidet man sich für eine möblierte Version, muss man um die 180.000 Euro hinlegen. Zur Auswahl stehen neben den „klassischen Modellen“ auch welche mit Wasserkreislaufsystem, Holz-Solar-Zentralheizung und Photovoltaik-Anlage. Gerade Autarkie ist eingefleischten Tiny House-Liebhabern wichtig und zählte in den USA damals zu den „Grundkonzepten“ der Tiny House Bewegung.

Günstiger wird es, wenn man sich das Minihaus schlüsselfertig liefern lässt oder mit einem Fertigbausatz (Kostenpunkt 5.000 Euro) selber Hand anlegt. Außerdem besteht die Möglichkeit, sich völlig ohne Bausatz ein eigenes Tiny House zu zimmern. Anleitungen dazu gibt es zahlreich im Internet. Wer allerdings glaubt, mit dem selbstgebauten Minihaus preisgünstig davon zu kommen, darf sich nicht täuschen: je nach Bauweise, verwendetem Material und Ausstattung kommen zum oben erwähnten Fertigbausatz nochmal mindestens 20.000 Euro hinzu.

Wohnwagon: mobil und gut ausgestattet. Bild: Wohnwagon

In der Regel kosten schlüsselfertige, stationäre Tiny Houses ohne viele Extras zwischen 25.000 und 65.000 Euro. Die Grenze nach oben ist weit offen. Es gibt Luxus-Varianten, die um die 140.000 Euro kosten. Wer es lieber kleiner mag und auf einer Wohnfläche unter 10 Quadratmetern glücklich wird, kann auch bereits für 15.000 Euro sein Wohnglück im Miniformat finden.

Zusätzlich zum Haus fallen Kosten für das Grundstück und die Bauerlaubnis an. Diese zu bekommen ist in Deutschland gar nicht so leicht.

Rechtliche Grundlagen für’s Tiny House

Ob als Dauerwohnsitz oder als Ferien- bzw. Wochenendhaus: wer ein stationäres Tiny House baut, braucht eine Baugenehmigung und der Standort muss sich auf einer genehmigungsfähigen Fläche befinden. Damit kann unter Umständen der Traum vom freien Leben, wo es einem gerade gefällt, bereits an dieser Stelle platzen. Bei dem Grundstück muss es sich um eine ausgewiesene Fläche handeln. Laut Gesetz ist es im Innenbereich einer Stadt oder Gemeinde erlaubt, ein Tiny House zu etablieren. Im Außenbereich sieht das Ganze schon anders aus. Hier sind Bauvorhaben zu Wohnzwecken grundsätzlich nicht gestattet. Mit etwas Glück kann man eine Baugenehmigung erhalten für ein „Sondergebiet“ oder „Gebiet zur Entwicklung der Wohnnutzung“. Dort sind die Anforderungen nicht so streng wie in einem als reines „Wohngebiet“ deklarieren Areal. Insbesondere für „Grundstücke, die der Erholung dienen“, bestehen häufig gelockerte Bedingungen – allerdings gilt hier die Bebauung durch ein Tiny House nur als „temporär genutzte Immobilie“ oder „Wochenendhaus“. Ein weiterer Vorteil dieser Lage: die Standorte auf Grundstücken, die der Erholung dienen, befinden sich zumeist in landschaftlich schönen Regionen.

Bild: Wohnwagon

Eine weitere generelle Voraussetzung für die Errichtung eines Tiny House ist, dass das Grundstück erschlossen ist. Es muss außerdem an das öffentliche Straßen- und Versorgungsnetz angebunden sein. Ihr erster Ansprechpartner zum Thema Baurecht für das zukünftige Tiny House ist die zuständige Bauaufsichtsbehörde (auch „Bauamt“ genannt) in Ihrer Stadt. Der Antrag zur Erteilung einer Baugenehmigung muss schriftlich bei oben genannter Stelle eingereicht werden. Allerdings darf dieser nur von einem „Bauvorlagenberechtigten“ gestellt werden. Das sind in der Regel Architekten. Es gibt Anbieter von Tiny Houses, die spezielle „Baugenehmigungs-Services“ anbieten. Erfragen Sie das beim Kauf eines schlüsselfertigen Tiny Houses am besten gleich, nachdem Sie sich zum Kauf entschieden haben. Auch empfiehlt es sich, eine Bauvoranfrage für das entsprechende Grundstück zu stellen – und zwar, ehe Sie den für das Tiny House erforderlichen Grund und Boden erwerben.

Bleibt noch zu erwähnen, dass Baurecht Ländersache ist. Das heißt, die Landesbauordnungen der jeweiligen Bundesländer regeln, ob und wie Ihr geplantes Tiny House genehmigungspflichtig ist. Bei der Erteilung einer Baugenehmigung für dauerhaftes Wohnen im Tiny House spielen auch zentrale Ausstattungsdetails eine Rolle. Zum Beispiel fallen darunter Bäder und Toiletten mit wirksamer Lüftung bzw. Fenstern sowie eine Mindesthöhe der Wohn- und Schlafbereiche. Auch Türen und Treppen im Minihaus unterliegen baurechtlichen Bestimmungen.

Gut ausgestattetes Tiny House. Bild: Wohnwagon

Während die Errichtung eines stationären Tiny Houses eng ans Baurecht geknüpft ist, unterliegt ein Mini-Haus, welches auf einen Anhänger montiert ist und mit entsprechendem Werkzeug leicht abgebaut werden kann, dem Straßenverkehrsrecht. Hier bedarf es im Gegensatz zu den im Boden verankerten Häusern keiner Baugenehmigung und häufig lassen sich die mobilen Kleinsthäuser auch auf Campingplätzen abstellen.

Ausführliche Informationen, auch zum Thema „Baurecht für Tiny Houses“ gibt es im Tiny House Forum:

Die Ausstattung: am besten maßgefertigt

Klar, das Innere eines Tiny Houses sollte, wenn nicht klein & fein, in jedem Fall klein und praktisch sein. Wahrscheinlich werden Sie um maßgefertigte Einbaumöbel nicht herumkommen, da nahezu jedes Tiny House ein Unikat ist. Wichtig ist vor allem, dass alle Möbel – von der Küchenzeile über das Bad bis zum Schlafloft funktional sind. Ausklappbare Küchentische, die sich alternativ als Sitzgelegenheit anbieten, Hängesysteme im Bad und als Hochbett angelegte Schlafbereiche sind beliebte Ausstattungselemente im Tiny House. Ein Tipp: schauen Sie im Internet nach „Kleinmöbeln“, einige Anbieter haben sich bereits auf gemütliche Möbel und Utensilien für Minihäuser spezialisiert.

Bild: unsplash

Ob im Urlaub, als Wochenendhaus oder dauerhaft: Tiny Houses werden immer beliebter. Es gibt unzählige Varianten, vom fahrbaren „Tiny House on wheels“ bis zum luxuriösen Modulhaus. Wir hoffen, Ihnen mit diesem Beitrag einen Einblick in die schier unbegrenzte Welt des Wohnens auf kleinem Raum gegeben zu haben.

Nicht zuletzt der Aspekt „Nachhaltigkeit“ ist es, der das Tiny House für Umweltbewusste interessant macht. Lesen Sie auch, was Baubiologie zu einem wohngesunden Leben beitragen kann.

Titelbild: Wohnwagon