Die Immobilienwoche KW 26/26 blickt auf Verena Hubertz’ Aktionsplan zur Senkung der Baukosten. Glücklicherweise steigen die Baugenehmigungen im 1. Quartal 2026 in Deutschland. Die Effizienzhaus-55-Förderung wurde ebenfalls verlängert. Und Berlin geht mit bestem Beispiel voran, um neuen urbanen Wohnraum zu errichten – obwohl tendenziell zu viele Neubauten auf dem Land entstehen. Auch die Anschlussfinanzierung ist Thema dieser Woche.
- News 1: Im Kampf gegen hohe Baukosten – Bauministerin Hubertz legt 13-Punkte-Plan vor
- News 2: Baugenehmigungen steigen – besonders bei Mehrfamilienhäusern
- News 3: EH55-Förderung für Neubauten jetzt doch verlängert
- News 4: Neubau am falschen Ort? Berlin setzt Gegenakzent
- News 5: Vermehrt Prolongation – Anschlussfinanzierung ist rarer
- Fazit der Woche: Neues Tempo in Sicht
Die wichtigsten Entwicklungen der neuen Immobilienwoche im Überblick:
News 1: Im Kampf gegen hohe Baukosten – Bauministerin Hubertz legt 13-Punkte-Plan vor
Das Bundesministerium für Wohnen, Stadtentwicklung und Bauwesen (BMWSB) hat einen „Aktionsplan zur Senkung der Baukosten“ erarbeitet. Bundesbauministerin Verena Hubertz möchte mit dem sogenannten „13-Punkte-Aktionsplan“ nun die Baukosten senken und den Wohnungsbau beschleunigen.
Geplant sind unter anderem digitale Bauanträge als Regelfall ab 2028, eine gebündelte Neubauförderung ab 2027 (Zentrales Förderprogramm Neubau, v.a. zur Unterstützung von Familien), kürzere Bauleitplanverfahren (max. 2 Jahre), verlängerte degressive Abschreibung (AfA), mehr Modulares Bauen sowie ein Bonus-System für Projekte mit reduzierter Bauzeit.
„Wenn wir im Wohnungsbau wirklich durchstarten wollen, müssen wir uns vom Ballast der zu hohen Baukosten befreien. Und genau dazu dient der Aktionsplan“, so Bauministerin Hubertz.
Warum das wichtig ist: Wenn digitale Verfahren, Standardisierung und Förderlogik zusammenspielen, wird Neubau wieder kalkulierbarer. Für Projektentwickler, Bauherren und Käufer wäre dies ein entscheidender Anreiz, um Neubau und dessen Nachfrage wieder voranzutreiben.
News 2: Baugenehmigungen steigen – besonders bei Mehrfamilienhäusern
Die neuesten Zahlen des Statischen Bundesamts (Destatis) zeigen einen positiven Trend: Im April 2026 wurden 20.200 Wohnungen genehmigt, das sind 9,2% (1.700 Baugenehmigungen) mehr als im Vorjahresmonat.
Im Neubau stieg die Anzahl sogar um 10,3% (entspricht 1.600 Wohnungen) auf insgesamt 16.900 Wohnungen. Von Januar bis April 2026 wurden insgesamt 83.700 Wohnungen genehmigt, ein Plus von 13,2% gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Besonders Zwei- und Mehrfamilienhäuser legten deutlich zu: 22,9% (+900 Baugenehmigungen) sowie 14,7% (+5.700 Baugenehmigungen).
Die Immobilienbranche mahnt jedoch, dass Genehmigungen allein noch keinen Wohnungsbau-Aufschwung bedeuten, solange Baukosten, Finanzierung und Regulierung Projekte bremsen.
Warum das wichtig ist: Die Neubau-Pipeline füllt sich wieder. Entscheidend ist nun, dass aus Genehmigungen echte Baustarts werden – vor allem in den angespannten Städten sowie Wachstumsregionen.
News 3: EH55-Förderung für Neubauten jetzt doch verlängert
Der Bund und die Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) verlängern die befristete Förderung für sogenannte Effizienzhäuser 55 über den 30. Juni 2026 hinaus. Begünstigt werden hierbei klimafreundliche Neubauten, die nur 55% der Energie verbrauchen, die ein vergleichbarer Neubau nach dem Gebäudeenergiegesetz (GEG) benötigen würde.
Maximal bis Ende 2026 oder bis die Bundesmittel aufgebraucht sind, wird das EH55-Förderprogramm nun weitergeführt. Pro Wohneinheit sind bis zu 100.000 Euro Förderkredit möglich. Bei 10-jähriger Laufzeit sowie Zinsbindung liegt der momentane effektive Jahreszins bei 1,0%. Zu den Voraussetzungen zählen beispielsweise eine bereits vorliegende Baugenehmigung und die Wärmeerzeugung auf vollständiger Basis erneuerbarer Energien.
„Wir freuen uns, gemeinsam mit dem Bauministerium die Effizienzhaus-55-Förderung zur Aktivierung des Bauüberhangs weiter anbieten zu können“, bekräftigt Melanie Kehr, für Inländische Förderung zuständige Vorständin der KfW. Die KfW-Vorständin betont: „So tragen wir dazu bei, dass der Neubau stimuliert wird, Wohnnebenkosten langfristig bezahlbar bleiben und der Klimaschutz im Gebäudesektor vorankommt.“
Warum das wichtig ist: Die Verlängerung des EH55-Förderprogramms kann das Tempo beim Neubau beschleunigen. Gerade genehmigte, aber noch nicht realisierte Projekte erhalten damit einen attraktiven Finanzierungsschub.
News 4: Neubau am falschen Ort? Berlin setzt Gegenakzent
Die aktuelle Studie des internationalen Immobilienberaters Jones Lang LaSalle (JLL) warnt vor Neubau am falschen Ort. Der Marktanalyst JLL sieht ein strukturelles Problem: In Deutschland entstehen weiterhin viele Wohnungen – jährlich etwa 50.000 – in Regionen mit stagnierender oder sinkender Nachfrage. Fatal: Metropolen sowie Wachstumszentren bleiben hingegen unterversorgt, vermeldet die Frankfurter Allgemeine Zeitung (FAZ).
Das Problem hierbei ist, dass die Nachfrage nach Neubau in ländlichen Räumen deutlich niedriger ausfällt als in Städten. Außerdem seien kleine Apartments viel gefragter als Einfamilienhäuser. Letztere gibt es aber im Überangebot.
Für 2026 erwartet JLL rund 211.000 fertiggestellte Wohnungen. Das jährliche Neubaudefizit beträgt demnach knapp 80.000 Einheiten – mehr als bisher angenommen. Doch Berlin liefert hierzu einen positiven Gegenakzent: 2025 wurden dort 13.754 Wohnungen genehmigt – 40,7% mehr als im Vorjahr, konstatiert die Berliner Zeitung. Berlin-Lichtenberg lag hierbei – im Vergleich zu 11 anderen Berliner Stadtbezirken – mit 1.935 genehmigten Wohnungen auf dem 1. Platz. Zugleich stiegen Berlins Neubaupreise im Jahresdurchschnitt um 3,9% im Vergleich zum Vorjahr 2024.
Warum das wichtig ist: Wer dort baut, wo Nachfrage real vorhanden ist, schafft Marktwert und entlastet ernsthaft angespannte Mietmärkte in Metropolen. Nicht nur die Menge an Neubauten zählt, sondern auch der Standort sowie die passende Wohnungsgröße. Für Projektierer bedeutet dies, besser vermehrt in kleinere Stadt-Apartments zu investieren.
News 5: Vermehrt Prolongation – Anschlussfinanzierung ist rarer
Die Anschlussfinanzierung gerät im angespannten Marktumfeld in den Fokus. Wenn für viele Haus- und Wohnungsbesitzer in den kommenden Jahren die alte Zinsbindung endet, ist eine Anschlussfinanzierung oftmals seltener. Das hat die Unternehmensberatung Boston Consulting Group (BCG) herausgefunden, wie das Handelsblatt exklusiv berichtet. Oftmals sei die Prolongation für manchen Eigentümer die einzige Option der Anschlussfinanzierung, die sie von einer Bank angeboten bekommen.
Die Prolongation – die Anschlussfinanzierung bei der bisherigen Bank – ist zwar der einfachste Weg. Üblicherweise erhalten die Kreditnehmenden dabei einige Monate vor Ablauf der bisherigen Hauptfinanzierung ein Angebot der Hausbank. Doch ein Vergleich mit Umschuldung (andere Banken) und Forward-Darlehen (auch andere Kreditinstitute) können sich trotzdem lohnen, wenn die Wertsteigerung des Eigentums sowie (auch) dadurch ein neuer verbesserter Zinssatz ermöglicht werden.
Die aktuellen Bauzinsen liegen aktuell im grünen Bereich: je nach Kreditinstitut, Bonität und Sollzinsbindung grob zwischen 3,57% bis 4,24%, so die Berliner Morgenpost. Eine gute Anschlussfinanzierung ist demnach möglich – sie muss nur gefunden werden.
Warum das wichtig ist: Anschlussfinanzierungen sollten im aktuellen Marktumfeld frühzeitig geplant werden – am besten vor der Prolongationsofferte der bisherigen Hausbank. Auch aktuell sind solide Zinssätze möglich. Wer proaktiv Angebote einholt, vergleicht und u.U. noch starke Fördermittel einbindet, kann Eigentum auch im höheren Zinsumfeld solide und günstiger absichern.
Weitere Tipps: Anschlussfinanzierung entspannt planen – wie es perfekt gelingt.
Fazit der Woche: Neues Tempo in Sicht
Die Signale dieser Woche zeigen: Der Immobilienmarkt kann auf bessere Zeiten hoffen – und er bekommt aller Voraussicht nach erste Werkzeuge dafür, zum Beispiel den „13-Punkte-Plan“ für geringere Baukosten sowie schnellere Planungszeiten von Neubauten.
Die verlängerte EH55-Förderung steht schon fest. Und die Zahl der Baugenehmigungen ist zuletzt stark gestiegen; Auftragsmangel sowie Projekt-Stornierungen sanken hingegen. Durch diese notwendigen Impulse kann der Neubau an neuem Tempo gewinnen.
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