Zukunftsweisendes aus München: Ökologische Mustersiedlung im Prinz-Eugen-Park

Zukunftsweisendes aus München: Ökologische Mustersiedlung im Prinz-Eugen-Park

Von den Nachkriegsjahren an bis in die Gegenwart fand in München die Umnutzung von insgesamt 19 Kasernen statt, größtenteils als Wohnbaugebiete. Seit drei Jahren wird auf dem Gelände der Prinz-Eugen-Kaserne im Süd-Osten des Stadtteils Oberföhring in Bogenhausen der Prinz-Eugen-Park realisiert. Auf 30 Hektar Gesamtfläche entsteht seit drei Jahren Platz für 4.500 Bewohner in Form von 1.800 Wohnungen und zugehörigen Freiflächen.

Zuletzt haben wir Anfang 2017 über den Baustart berichtet. Inzwischen sind große Teile des Bauvorhabens fertiggestellt und viele Wohnungen bereits bezogen. Unter anderem errichteten hier an der Ruth-Drexel-Straße die Klaus Wohnbau GmbH das Projekt „PRINZ“ mit 16 Atriumhäusern sowie 16 Stadtwohnungen und die GRUND-IDEE Wohn- und Gewerbebau GmbH ein modernes Wohnensemble bestehend aus zwei Stadthäusern und acht Stadtvillen mit insgesamt 50 Eigentumswohnungen. Hier sind sämtliche Einheiten bereits abverkauft.

Bild: Michael Nagy/Landeshauptstadt München


Die Fertigstellung des Gesamtprojekts Prinz-Eugen-Park ist für 2021 geplant.
Heute wollen wir uns der ökologischen Mustersiedlung im südlichen Bereich des Prinz-Eugen-Parks zuwenden, einem Pilotprojekt der Stadt München mit Schwerpunkt auf Holzbau. Mit 570 Wohnungen wird hier Deutschlands größte zusammenhängende Holzbausiedlung errichtet, teilweise innerhalb von Mehrfamilienhäusern mit bis zu sieben Etagen.

Die größte zusammenhängende Holzbausiedlung in Deutschland


Der Planung liegt ein ehrgeiziger Anspruch zugrunde: Bei einem Drittel der Gebäude müssen die verwendeten Materialien aus nachwachsenden Rohstoffen bestehen. Die Verwendung von Holz als eines der ältesten Baumaterialien der Menschheit liegt hier nahe. Überdies soll die Hälfte der Wohnungen so genannten bezahlbaren Wohnraum garantieren. An der Realisierung sind neben Genossenschaften und Baugemeinschaften vor allem die städtischen Wohnungsbaugesellschaften GWG und Gewofag beteiligt.

Bis zu 280 Kilogramm Holz pro Quadratmeter

Angewendet wird eine reine Holz- oder eine Holzhybridbauweise (hier trägt ein Skelett aus Stahlbeton eine Holzfassade). Für die verwendeten Materialien gibt es strikte Vorgaben; sogar eine alles andere als geläufige Einheit wird hierfür verwendet, nämlich „kg nawaros / m² Wohnfläche“. Die mysteriös anmutende Bezeichnung „nawaros“ ist jedoch eher pragmatisch zu sehen und eine Abkürzung für „nachwachsende Rohstoffe“; als solche werden Kiefern- und Fichtenholz verbaut. Die Ausschreibung verlangt, dass bei Gebäuden mit einer Höhe von bis zu drei Stockwerken ein Minimum von 150 kg Holz pro Quadratmeter verwendet werden muss, bei Gebäuden mit einer Höhe von bis zu sieben Stockwerken ein Minimum von 50 Kilogramm Holz pro Quadratmeter.  Tatsächlich verbaute die GWG als einer der maßgeblich beteiligten Bauträger jedoch bis zu 280 Kilogramm Holz pro Quadratmeter bei Häusern bis zu drei Stockwerken und bis zu 240 Kilogramm pro Quadratmeter bei Häusern bis zu sieben Stockwerken. In den Gebäuden werden dabei große Mengen Holz verbaut.

Strenge ökologische Vorgaben

Eine weitere Vorgabe ist, dass der Transport des Holzes zum Baugebiet eine Distanz von 400 Kilometern nicht überschreiten darf. Das verwendete Holz stammt aus Österreich und aus Oberbayern. Weitere Merkmale des Bauprojekts: Sämtliche Gebäude der Holzbausiedlung entsprechen dem KfW-55-Standard. Zur energetischen Planung gehören die Ausrichtung der Häuser nach Süden, eine Abstimmung der Gebäudehöhen und -abstände, eine kompakte Bauweise sowie die Beheizung des Quartiers über Fernwärme. Darüber hinaus werden einzelne Dachflächen mit Photovoltaikanlagen ausgestattet.

Biotope und Urban Gardening

Großzügige Grünflächen mit Biotopen prägen das gesamte Gelände des Prinz-Eugen-Parks. Der alte Baumbestand wird so weit wie möglich in das neue Quartier integriert. Ein besonderes Augenmerk wird auf den Ausbau eines ausgedehnten Netzes von Fuß- und Radwegen gelegt. Auf Urban-Gardening-Flächen können die Bewohner Blumen, Obst, Gemüse und Kräuter anbauen. Auch die Dachflächen werden intensiv begrünt und zum Teil als gemeinschaftliche Gärten genutzt.

Beachtliche technische Herausforderung

Die Verwirklichung dieser Pläne stellt eine große Herausforderung für alle Beteiligten dar. Fragen wie die, ob die Wertbeständigkeit von Holz als Baumaterial mit der konventioneller Materialien vergleichbar ist, liegen auf der Hand. Doch hier können Zweifel von vornherein ausgeräumt werden. Immer noch existieren Relikte von Pfahlbauten aus der Jungsteinzeit und Fachwerkhäuser, die bis zu 750 Jahre alt sind. Aber wie sieht es mit den Anforderungen an Brandschutz, strukturelle Stabilität des Tragwerks oder Schallschutz aus?

Bild: ArchitekturWerkstatt Vallentin Gmbh

Die Qualitätssicherung erfolgte durch ein umfassendes Beratungskonzept: Sämtliche Planungen fanden unter Einbeziehung aller involvierten Fachleute und mit der Umsetzung beauftragten Firmen statt. Zusätzlich wurde ein Ratgeber-Gremium bestehend aus vier renommierten Experten ins Leben gerufen, das den Verantwortlichen in Bezug auf die relevanten Belange in den Planungsphasen zur Seite stand. So verlangt die Holzbauweise zum Beispiel individuelle Brandschutzkonzepte. Hier erfolgte die Absicherung durch die Abstimmung mit der Münchner Branddirektion.

Zukunftsweisendes Pilotprojekt der Stadt München

Die Mustersiedlung als zukunftsweisendes Pilotprojekt liefert wertvolle Erkenntnisse für weitere Bauprojekte mit dem langlebigen und nachwachsenden Rohstoff Holz. Neben seinen Dämmungseigenschaften bietet dieses Baumaterial auch eine neue, attraktive Optik der Gebäude, für die es verwendet wird.

Allerdings entstehen durch die Holzbauverarbeitung auch höhere Ausgaben als beim konventionellen Bau. Um die Finanzierung des Projekts zu ermöglichen, beteiligte sich die Stadt München mit einem eigenen Förderprogramm. 13,6 Millionen Euro wurden für die Mehraufwendungen und höheren Erstinvestitionen bereitgestellt, die die Musterbausiedlung verlangt.

Europaweites Interesse am Prinz Eugen Park

Das Planungsreferat betrachtet das Modellvorhaben, das europaweit auf reges Interesse stößt, als wegweisend für weitere Bauprojekte in Holzbauweise. So sind auch für die Neubaugebiete Freiham, Kreativquartier, Bayernkaserne und Henschelstraße Holzbausiedlungen geplant. Eine 50-prozentige Bebauung in Holzbauweise wird in Zukunft bei der Vergabe städtischer Grundstücke angestrebt.

Neubauprojekt in München-Bogenhausen: M26 Living. Bild: IMMOCON GmbH

Generell rücken die Vorteile der Holzbauweise immer mehr in den Vordergrund. Eine nicht unerhebliche Zeiteinsparung ergibt sich daraus, dass sich die Holz-Bauteile in Modulbauweise im Werk vorfertigen und auf dem Bauplatz in kurzer Zeit zusammenfügen lassen. Noch in diesem Jahr soll die Stadtverwaltung ein weiteres Zuschussprogramm für zeitgemäße Bauprojekte mit Holz und anderen nachwachsenden Rohstoffen ausarbeiten.

Während der Prinz Eugen Park weit über die Grenzen der Stadt hinweg für Furore sorgt, entstehen in München viele weitere interessante Neubauprojekte. Zum Beispiel ebenfalls in Bogenhausen der Neubau „M26 Living Bogenhausen“ mit neuen Eigentumswohnungen.

Finden Sie weitere Neubauprojekte im Großraum München auf dem neubau kompass.

Unser Titelbild zeigt ein typisches Gebäude im Prinz Eugen Park. Bild: Rapp Architekten mit Müllerblaustein Holzbauwerke und Brüggemann Holzbau

Title Image:   Rapp Architekten mit Müllerblaustein Holzbauwerke und Brüggemann Holzbau

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