Arabellahaus München: Was ist bei der Neugestaltung des Kult-Hochhauses geplant?

Arabellahaus München: Was ist bei der Neugestaltung des Kult-Hochhauses geplant?

Das Arabellahaus in München bleibt – und bekommt eine neue Zukunft. Statt des lange geplanten Abrisses wird das Kult-Hochhaus umfassend modernisiert und erweitert. Eine öffentliche Dachterrasse, ein begrünter Skygarden, zusätzliche Wohnfläche und Europas längste außenliegende Rolltreppenanlage gehören zu den wichtigsten Neuerungen. Zugleich sollen durch den Erhalt großer Teile der bestehenden Gebäudestruktur vorhandene Baumaterialien weitergenutzt werden.

Kaum ein Hochhaus prägt den Münchner Nordosten so unverwechselbar wie das Arabellahaus. Seit mehr als fünf Jahrzehnten gehört die lang gestreckte Wohnscheibe im Arabellapark fest zum Stadtbild – als Orientierungspunkt, Zeugnis der Nachkriegsmoderne und Ausdruck einer Zeit, in der neue Vorstellungen vom urbanen Leben entstanden. Lange schien sein Verschwinden beschlossene Sache. Nun folgt die überraschende Wende: Das Gebäude bleibt und soll grundlegend neu gedacht werden. Aus einer Ikone der späten 1960er-Jahre soll ein offener, zeitgemäßer Stadtbaustein entstehen, der seine Geschichte bewahrt und zugleich neue Räume für Wohnen, Freizeit und öffentliches Leben schafft.

Warum gilt das Arabellahaus als Wahrzeichen Münchens?

Als das Arabellahaus zwischen 1966 und 1969 nach Plänen des Architekten Toby Schmidbauer entstand, verkörperte es eine neue Vorstellung vom Leben in der Großstadt. Wohnen, Arbeiten, Einkaufen, Gastronomie, Hotel und Gesundheitsangebote wurden an einem Ort miteinander verbunden. Das Konzept der „Stadt in der Stadt“ war für seine Zeit visionär – und nahm eine Form des urbanen Lebens vorweg, die heute viele moderne Quartiere prägt.

Auch sein Name ist eng mit seiner Entstehungsgeschichte verbunden: Bauherr Josef Schörghuber benannte das Hochhaus nach seiner Tochter Arabella. Mit seinen 23 Geschossen und der charakteristischen lang gestreckten Silhouette wurde das Arabellahaus schnell zu einem Orientierungspunkt in Bogenhausen.

Kulturell schrieb das Hochhaus ebenfalls Geschichte: Im Untergeschoss befanden sich die legendären Musicland Studios, in denen internationale Stars wie Queen, Donna Summer und die Rolling Stones Musik aufnahmen. Damit ist das Arabellahaus nicht nur Teil der Münchner Architektur-, sondern auch der Musikgeschichte.

Der geplante Erhalt betrifft deshalb mehr als ein einzelnes Immobilienprojekt. Es geht um ein Stück Münchner Stadt-, Architektur- und Kulturgeschichte – und um die Frage, wie sich ein Gebäude dieser Epoche weiterentwickeln lässt, ohne seine Identität zu verlieren.

Arabellahaus München-Bogenhausen
Eine Münchner Ikone vor dem Wandel: Statt abgerissen zu werden, soll das Arabellahaus umfassend revitalisiert und für die kommenden Jahrzehnte neu aufgestellt werden. Bild: Bayerische Hausbau Real Estate

Revitalisierung statt Abriss: Weshalb bleibt das Arabellahaus nun doch erhalten?

Lange Zeit schien das Ende des Arabellahauses besiegelt. Bereits 2018 hatte die zur Schörghuber Gruppe gehörende Bayerische Hausbau einen Abriss mit anschließendem Neubau geplant. Nun folgt die Kehrtwende: Das Hochhaus bleibt erhalten und wird umfassend revitalisiert.

Möglich machen das neue baurechtliche Rahmenbedingungen und innovative technische Lösungen. Dadurch kann ein großer Teil der bestehenden Konstruktion weiter genutzt und mit einer umfassenden Modernisierung verbunden werden.

Die Entscheidung passt zugleich zu einem Wandel im Bauwesen. Dabei rückt nicht nur der spätere Energieverbrauch eines Gebäudes in den Fokus.

Zunehmend geht es auch um die Materialien und die Energie, die bereits in einem Gebäude stecken. Bei einem Bauwerk dieser Größenordnung wird die vorhandene Bausubstanz selbst zur wertvollen Ressource.

Das Arabellahaus auf einen Blick

Standort: Arabellapark, München-Bogenhausen

Baujahr: 1966 bis 1969

Gebäude: 23 Geschosse, 75 Meter hoch

Projekt: Revitalisierung statt Abriss

Geplanter Baubeginn: Frühjahr 2030

Geplante Fertigstellung: Ende 2034

Highlights: Öffentliche Dachterrasse, Skygarden, Europas längste außenliegende Rolltreppenanlage

Ziel: Erhalt großer Teile der bestehenden Gebäudestruktur; nach Angaben der Projektverantwortlichen sollen dadurch rund 20.000 Tonnen CO₂ vermieden werden.

Künftige Nutzung: Wohnen, Hotel, Einzelhandel, Gastronomie, Büros, Gesundheitsangebote sowie zusätzlicher preisgedämpfter Wohnraum

Neugestaltung des Arabellahauses: Wie verändert sich die bekannte Silhouette?

Auch nach dem Umbau soll das Arabellahaus seinen unverwechselbaren Charakter bewahren. Dennoch wird sich die vertraute Silhouette sichtbar verändern: Die Fassade wird erneuert, der Baukörper an den Längsseiten verbreitert. Gleichzeitig werden Technik und Dämmung umfassend modernisiert.

Der markanteste architektonische Eingriff findet jedoch in luftiger Höhe statt: Zwischen dem 15. und 19. Obergeschoss öffnet sich der bislang kompakte Baukörper zu einem fünf Stockwerke hohen „Auge“. Der große Durchbruch verleiht dem Hochhaus eine neue Kontur und bricht die massive Gebäudestruktur sichtbar auf.

Innerhalb dieses Durchbruchs entsteht der sogenannte Skygarden. Anders als die öffentliche Dachterrasse ist dieser Bereich als gemeinschaftlicher Ort für die künftigen Mieterinnen und Mieter gedacht. Begrünung und Aufenthaltsflächen sollen mitten im Gebäude Raum für Begegnung und Austausch schaffen.

Neugestaltung Arabellahaus mit längster außenliegender Rolltreppenanlage Europas
Spektakulärer Weg nach oben: Europas längste außenliegende Rolltreppenanlage soll Besucher künftig vom Erdgeschoss bis zur öffentlichen Dachterrasse bringen. Bild: Bayerische Hausbau Real Estate

Dachterrasse des Arabellahauses: Was ist für Besucher geplant?

Eine der spektakulärsten Veränderungen befindet sich auf dem Dach. Erstmals soll die bislang weitgehend private Fläche für die Allgemeinheit geöffnet werden – und zu einem neuen öffentlichen Ort über den Dächern Münchens werden.

Geplant sind begrünte Aufenthaltsbereiche, gastronomische Angebote sowie Kultur- und Freizeitmöglichkeiten. Hinzu kommen frei nutzbare Flächen ohne Konsumzwang. So entsteht ein Ort zum Verweilen, Begegnen und Genießen – mit einer Perspektive auf München, die bislang nur wenigen vorbehalten war.

Das eigentliche Highlight dürfte jedoch die Aussicht sein: Bei klarer Sicht reicht der Blick weit über München bis zu den Alpen. Die Dachterrasse könnte so zu einem der außergewöhnlichsten Aussichtspunkte der Stadt werden.

Spektakulärer Weg nach oben: Wie gelangen Besucher künftig auf die Dachterrasse?

Nicht nur die neue Dachterrasse dürfte für Aufmerksamkeit sorgen, sondern auch der Weg dorthin. Geplant ist eine außenliegende Rolltreppenanlage, die Besucher vom Erdgeschoss bis hinauf auf das öffentlich zugängliche Dach bringen soll. Nach den derzeitigen Planungen wird sie die längste außenliegende Rolltreppenanlage Europas. Damit erhält das Arabellahaus ein außergewöhnliches neues Architekturelement, das zugleich für die stärkere Öffnung des Gebäudes steht. Der Weg zur Dachterrasse wird sichtbar nach außen verlegt und macht schon den Aufstieg zu einem besonderen Teil des Besuchs.

Arabellapark in München: Wie verändert der Umbau das Quartier?

Nicht nur das Hochhaus selbst wird neugestaltet. Auch das Umfeld soll künftig deutlich offener und einladender wirken. Neue Wege, eine großzügige Passage sowie ein zusätzlicher Zugang zum Rosenkavalierplatz sollen das Gebäude stärker mit seinem Umfeld verknüpfen.

Ziel ist es, die bisher eher abgeschlossene Struktur aufzubrechen und das Quartier besser in das öffentliche Leben einzubinden. So entsteht ein urbaner Ort, an dem sich Bewohner, Beschäftigte und Besucher gleichermaßen begegnen können.

Quartier Arabellahaus
Die Neugestaltung soll das Arabellahaus stärker mit seinem Umfeld verbinden: Neue Wege, öffentliche Räume und eine großzügige Passage öffnen das Quartier zum Rosenkavalierplatz. Bild: Bayerische Hausbau Real Estate

Was verändert sich für Wohnungen und Mieter?

Wohnen bleibt auch nach der Revitalisierung ein zentraler Bestandteil des Arabellahauses – und soll künftig sogar mehr Raum einnehmen. Insgesamt entstehen rund 16.500 m² zusätzliche Wohnfläche, darunter auch preisgedämpfter Wohnraum. Das bewährte Nutzungskonzept aus Wohnen, Hotel, Gesundheitsangeboten, Büros, Einzelhandel und Gastronomie bleibt dabei erhalten.

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Für die heutigen Bewohnerinnen und Bewohner bringt der Umbau allerdings einen erheblichen Einschnitt mit sich. Rund 500 Mieterinnen und Mieter müssen das Arabellahaus verlassen, da das Gebäude für die umfassende Modernisierung geräumt und entkernt wird. Auch der Hotelbetrieb des Four Points by Sheraton ist davon betroffen. Bereits 2018 wurden die Mieter darüber informiert, dass die bisherige Nutzung langfristig nicht fortgeführt werden kann. Die Bayerische Hausbau Real Estate hat angekündigt, betroffene unbefristete Mieterinnen und Mieter bei der Suche nach Ersatzwohnraum und beim Umzug zu unterstützen.

Sheraton München
Der Umbau bringt auch Veränderungen für die bisherigen Nutzer mit sich: Rund 500 Mieterinnen und Mieter müssen das Arabellahaus verlassen, auch der Hotelbetrieb des Four Points by Sheraton ist betroffen. Bild: Bayerische Hausbau Real Estate

Erhalt statt Abriss: Welche Ressourcen- und Klimaaspekte spielen beim Arabellahaus eine Rolle?

Ein Gebäude dieser Größenordnung besteht aus enormen Mengen an Beton, Stahl und weiteren Baustoffen – und damit aus Ressourcen, die bereits verbaut und energetisch „bezahlt“ sind. Genau hier setzt das neue Konzept an: Die bestehende Struktur des Arabellahauses soll erhalten und durch eine zusätzliche Gebäudeschicht ergänzt werden. Diese sogenannten „Regale“ erweitern und verstärken den Bestand, ohne das Hochhaus vollständig neu errichten zu müssen.

Auf diese Weise können große Mengen der vorhandenen Baumaterialien weiter genutzt werden. Damit bleiben bereits verbaute Materialien sowie ein Teil der sogenannten grauen Energie im Bestand erhalten. Nach Angaben der Projektverantwortlichen sollen dadurch gegenüber einem Abriss und Neubau rund 20.000 Tonnen CO₂ vermieden werden.

Parallel dazu wird das Arabellahaus technisch und energetisch grundlegend modernisiert. Vorgesehen sind eine zeitgemäße Dämmung, eine neue Gebäudetechnik und eine Modernisierung der Energieversorgung. Ergänzend werden weitere Möglichkeiten zur Energiegewinnung geprüft, darunter Photovoltaik auf geeigneten Dachflächen.

Wie sieht der Zeitplan für die Revitalisierung des Arabellahauses aus?

Bis die neue Dachterrasse besucht und der Skygarden genutzt werden kann, wird noch einige Zeit vergehen. Nach derzeitigem Planungsstand sollen die Bauarbeiten im Frühjahr 2030 beginnen und Ende 2034 abgeschlossen sein. Die Projektsteuerung übernimmt die SBP Bau- und Projektentwicklung GmbH. Für das architektonische Konzept und die Erweiterung ist das Büro Hild und K unter der Leitung von Prof. Andreas Hild verantwortlich.

1966 bis 1969: Das Arabellahaus entsteht als zentraler Bestandteil des neuen Arabellaparks.

2018: Die Bayerische Hausbau plant den Abriss des Hochhauses und einen anschließenden Neubau.

2026: Die Kehrtwende: Das Arabellahaus soll erhalten und umfassend revitalisiert werden.

Frühjahr 2030: Nach aktuellem Planungsstand beginnen die Bauarbeiten.

Ende 2034: Die Fertigstellung der Revitalisierung ist vorgesehen.

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FAQs: Häufig gestellte Fragen zum Arabellahaus in München

Warum wird das Arabellahaus doch nicht abgerissen?

Neue baurechtliche Möglichkeiten und technische Lösungen ermöglichen es, große Teile der bestehenden Gebäudestruktur zu erhalten und umfassend zu modernisieren. Dadurch kann auf einen vollständigen Abriss verzichtet werden.

Wann beginnt der Umbau des Arabellahauses?

Nach aktueller Planung sollen die Bauarbeiten im Frühjahr 2030 beginnen. Die Fertigstellung ist für Ende 2034 vorgesehen.

Wird die Dachterrasse des Arabellahauses öffentlich zugänglich sein?

Ja. Die Dachterrasse soll nach dem Umbau für die Öffentlichkeit geöffnet werden. Geplant sind begrünte Bereiche, Gastronomie, Kultur- und Sportangebote sowie frei nutzbare Aufenthaltsflächen ohne Konsumzwang.

Wie viel neuer Wohnraum entsteht im Arabellahaus?

Im Zuge der Revitalisierung sollen rund 16.500 m² zusätzliche Wohnfläche entstehen. Ein Teil davon ist als preisgedämpfter Wohnraum vorgesehen.

Welche Ressourcen- und Klimaaspekte sprechen für den Erhalt des Arabellahauses?

Durch die Weiterverwendung großer Teile der bestehenden Gebäudestruktur bleiben Baumaterialien und ein Teil der darin gebundenen grauen Energie im Bestand. Nach Angaben der Projektverantwortlichen sollen dadurch rund 20.000 Tonnen CO₂ vermieden werden. Gleichzeitig ist eine umfassende technische und energetische Modernisierung des Gebäudes geplant.

Müssen die bisherigen Mieter des Arabellahauses ausziehen?

Ja. Da das Gebäude für die Revitalisierung geräumt und entkernt werden muss, können die bisherigen Mieter während der Arbeiten nicht dort wohnen. Die Eigentümerin hat Unterstützung bei der Suche nach Ersatzwohnraum, bei Behördengängen und beim Umzug angekündigt.

Title Image:   Bayerische Hausbau Real Estate

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