Der ökologische Innovationscampus für nationale und internationale Unternehmen, Start-ups und Scale-ups soll auf einer alten Industriebrache südlich von Stuttgart (direkt an der A81 bei Sulz/Vöhringen) bis 2030 in zwei Abschnitten entstehen. Wir sprachen mit Heinrich Sülzle und Andreas Sülzle, geschäftsführende Gesellschafter der SÜLZLE Gruppe, über das innovative Bauvorhaben.
Es ist beunruhigend: Laut dem aktuellen Bericht des UN-Umweltprogramms ist der Bau- und Gebäudesektor für knapp 40 % der CO2-Emissionen weltweit verantwortlich. Demnach ist es vor allem bei Neubauprojekten vonnöten, neue Wege einzuschlagen. Die SÜLZLE Gruppe, ein Familienunternehmen, das sich auf die Bereiche Stahlhandel, Anlagenbau, Gebäudetechnik und Umwelttechnik spezialisiert, will mit dem Green Innovation Park (GIP) einen Innovationscampus für Unternehmen, Start-ups und Scale-ups entwickeln.

Was hat die SÜLZLE Gruppe dazu inspiriert, den Green Innovation Park ins Leben zu rufen und welche Ziele verfolgt das Projekt?
Der Green Innovation Park ist ein Innovationscampus für nationale und internationale Unternehmen, Start-ups und Scale-ups in den Bereichen Energie, Bau, Ökologie und Digitalisierung, die dort in Kollaboration an nachhaltigen Innovationen arbeiten.
Unser Familienunternehmen, welches auf eine über 140-jährige Tradition zurückblickt und bis heute inhabergeführt ist, plant und entwickelt sich strategisch langfristig. Aktuell befinden wir uns in einer Zeit, in der große Umbrüche stattfinden und Geschäftsmodelle sich verändern. Hier spielen Themen wie Digitalisierung, Innovation und Nachhaltigkeit eine große Rolle. Unsere Motivation ist es, dass die Transformation der SÜLZLE Gruppe in diesem neuen digitalisierten und nachhaltigen Zeitalter im Green Innovation Park vollzogen wird.

Seit mehreren Jahren arbeiten wir intensiv gemeinsam mit unseren strategischen Partnern wie dem auf Bau und Immobilien spezialisierten Beratungs- und Planungsunternehmen Drees & Sommer, den Architekten von kadawittfeldarchitektur, dem Energieunternehmen E.ON und dessen Tochter Bayernwerk Natur sowie dem Systemlösungsanbieter für digitale Infrastrukturen PHOENIX CONTACT, um diese Vision nun Wirklichkeit werden zu lassen.
Ein Baustein des Projekts ist ein integriertes Energiekonzept – wie sieht dieses im Detail aus?
Die ganzheitliche Energieversorgung im Green Innovation Park basiert auf den Komponenten Geothermie, Biogas und Wasserstoff. Ergänzt um Batteriespeicher, Photovoltaik und Kraft-Wärme-Anlagen entsteht somit ein zukunftsweisender Gewerbepark, der den Nutzern regionale und vor allem erneuerbare Energie bereitstellt. Die E.ON-Tochter Bayernwerk Natur bringt dabei ihr Know-how und ihre jahrelange Erfahrung in der dezentralen und regenerativen Energieerzeugung ein, um ein ausgewogenes Konzept zu entwickeln, das ideal auf die Bedürfnisse der zukünftigen Gewerbe abgestimmt ist.
Die Gewerke im Green Innovation Park sollen für den Betrieb miteinander vernetzt werden – wie funktioniert das und welche Technologien kommen zum Einsatz?
In diesem Bereich arbeiten wir sehr eng mit unserem Systempartner PHOENIX CONTACT zusammen. In erster Linie geht es darum, dass Gebäude langfristig zum Unternehmenserfolg beitragen und nicht als kostspielige Anlagen betrachtet werden. Moderne digitale Gebäude passen sich dem Nutzer an und ermöglichen einen wirtschaftlichen Gebäudebetrieb und können einen Beitrag zur CO2-Reduzierung und Erfüllung der Sustainable Development Goals der UN beitragen.
Gerade in diesem Projekt geht es mehr als nur um ein Gebäude. Bei der Umsetzung eines Quartiers wie dem Green Innovation Park muss neben dem Architektur-Design ein technisches Smart Building Systemdesign erstellt werden, um die Potenziale der Digitalisierung nutzbar zu machen. Das Systemdesign hat das Ziel, alle Sektoren gebäudeübergreifend über eine digitale Infrastruktur zu vernetzen. In dieser werden alle Gewerke auf eine Plattform aufgeschaltet, um die Daten der digitalen Infrastruktur zu digitalen Zwillingen zu überführen, die einen optimierten Betrieb sicherstellen.

Auf Basis der Building IoT Plattform Emalytics erfolgt die Integration der für den Betrieb relevanten Gewerke. Über das Datenmodell, das im Rahmen des Smart Building Designs erstellt wird, werden alle Integrationsgewerke kommunikativ vernetzt, sodass von der Feldebene bis in die Cloud alle Daten ohne Koppelebenen verfügbar werden. Über diese Datentransparenz möchten wir dann durch die Bildung von digitalen Zwillingen den Betriebsprozess so steuern, dass zu jedem Zeitpunkt der optimale Betriebspunkt aller technischen Gewerke eingehalten wird. Dabei managen wir die verfügbaren Energien aus der regenerativen Erzeugung und Speicherung aktiv mit dem Bedarf. Das Ziel ist eine möglichst hohe Energieeffizienz. Natürlich bietet diese technologische Ausstattung auch neue Möglichkeiten der internen und externen Vernetzung der Menschen.
Co-Creation und der sogenannte „Innovation Boulevard“ sollen Innovationsprozesse vorantreiben. Wie könnte das in der Praxis aussehen?
Einzigartig macht den Green Innovation Park vor allem der Kollaborationsgedanke, der alle Nutzer miteinander verbindet. Nicht nur werden die Ressourcen im Park geteilt, sondern auch Wissen, um voneinander zu lernen und von dem Miteinander zu profitieren.
Konkret ermöglichen die Gegebenheiten im Green Innovation Park es den Nutzern, individuell aber auch kollaborativ, zum Beispiel in Form einer Co-Creation, an Innovationen zu arbeiten. Regelmäßige Eventformate auf dem Campus schaffen Plattformen, um sich untereinander auszutauschen. Dafür bildet der Green Innovation Park ein ideales Ökosystem und die ideale Lage auf der Innovationsachse Stuttgart-Zürich, mit vielen „Hidden Champions“ in der Nähe, schafft zusätzlich Raum für Synergien nach außen.

Auch die Weiterentwicklung von SÜLZLE soll im Green Innovation Park stattfinden – in welche Richtung geht die Entwicklung?
SÜLZLE verbindet in ihrer Unternehmensgruppe Stahl, Energie und Ideen. Mit Kompetenz, umfangreichem Service und erstklassiger Produktqualität bieten wir branchenübergreifend Lösungen und zukunftsweisende Konzepte, die unsere Kunden effizienter und konkurrenzfähiger machen sollen. Doch auch die traditionellen Geschäftsbereiche transformieren sich unter den Aspekten der Digitalisierung und der Nachhaltigkeit. Wir glauben, dass nur Unternehmen, die auch ihren sozialen, wirtschaftlichen und ökologischen Verpflichtungen nachkommen, nachhaltig arbeiten können. Über unsere Firmengruppe hinweg beteiligen wir uns deshalb auch an diesen Zukunftsthemen.
Unsere beiden Start-Up-Beteiligungen, die ARCUS Greencycling Technologies GmbH und Amodes GmbH, haben das Potenzial, die Märkte im Bereich der Rohstoffrückgewinnung und der umweltschonenden Gewässerentschlammung zu revolutionieren. Mit dieser Partnerschaft vereinen wir die unterschiedlichsten Kompetenzen und nutzen zudem die Synergieeffekte aus der SÜLZLE Gruppe. So ist zum Beispiel SÜLZLE KOPF im Bereich des Anlagenbaus für Planung, Bau, Betrieb und Wartung der ARCUS Anlagen verantwortlich. Und die Technologie der Amodes-Schlammentwässerung wurde von SÜLZLE KLEIN mitentwickelt. Gerade diesen Kollaborations-Gedanke verfolgen wir auch hier im Green Innovation Park. Denn es gibt gerade im Bereich der Kreislaufwirtschaft noch viele Herausforderungen, die es zu lösen gilt. Die Firma ARCUS und unsere Tochter SÜLZLE Kopf SynGas, sind beides Unternehmen, die sich zu Teilen auch physisch im Green Innovation Park ansiedeln werden.
Wir danken für das informative Gespräch!
Dieser Post wurde am 10.09.2026 entsprechend der EmpCo-Richtlinie 2024/825 überarbeitet.
| Title Image: | © Green Innovation Park / SÜLZLE |