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Der „Sky Park“ auf dem Dach des „Marina Bay Sands“ in Singapur ist ein üppiger Garten in 200 Metern Höhe.

In Innenstädten ist der Platz knapp. Viele Einwohner vermissen in dem Großstadtdschungel der Metropolen die Natur und suchen Zuflucht in überlaufenen Parks. Doch es gibt eine kaum beachtete Alternative gerade bei Neubau-Immobilien auf deren Flachdächern, die an Attraktivität gewinnt.

Bekannt für seine innerstädtische Begrünung, nicht nur auf Dächern, ist Singapur. In der Metropole liegt auch der Stadtpark „Gardens by the Bay“. Markant sind die riesigen Supertrees: baumförmige, vertikale Gärten, die sich neun bis 16 Etagen in den Stadthimmel emporragen. Neben Dachgärten sind vertikale Gärten eine weitere Gebäudebegrünungsform in Städten. In der Nachbarschaft des Stadtparks in Singapur steht das 2010 enthüllte „Marina Bay Sands“. Der Gebäudekomplex erstreckt sich auf über 155.000 Quadratmetern. Die Fläche umfasst ein Hotel, Kongress- und Veranstaltungszentrum, Museum, Theater, Restaurants und Geschäfte. Der „SkyPark“ verbindet in 200 Metern Höhe die drei hoch aufragenden Türme des „Marina Bay Sands“ (siehe Titelbild). Auf der Aussichtsplattform befindet sich ein üppiger Garten, ein Pool und eine Joggingstrecke. Die Fläche ist nach Angaben des Singapore Tourism Board die größte öffentliche freitragende Fläche der Welt.

Almschule: Schafe weiden auf Münchner Dach

Das berühmte Beispiel Singapur zeigt, dass das Thema Dachgärten und innerstädtische Begrünung weltweit an Bedeutung zunimmt, auch hierzulande. Denn in deutschen Städten gibt es ebenfalls Dachgärten, wenn auch weitaus kleiner dimensionierte.

Ein Beispiel befindet sich über den Dächern Münchens. Im Werksviertel am Ostbahnhof ist auf Teilen des ehemaligen Pfanni-Geländes auf dem Dach des Werk3 eine Begrünung entstanden. Dort wächst eine Kräuter- und Blumenwiese mit Gruppen von Felsenbirnen. Im Sommer weiden auf der Dachwiese sogar eine kleine Herde Schafe. Das Projekt „Almschule“ soll nach Angaben der Initiative Münchner Kinder und Jugendliche in spielerisch gestalteten Mitmach-Workshops an die Themen Nachhaltigkeit, gesunde Ernährung, Umweltschutz und Wertschätzung der Natur heranführen.

Nikolas Fricke, Beauftragter für Ökologie, Umweltbildung und Soziales im Münchner Werksviertel, erklärt, dass das Ziel sei, im Werksviertel-Mitte aufzuzeigen, wie unsere Städte in Zukunft ressourcenschonender und grüner funktionieren könnten. Die Bildungsinitiative ist ein gemeinsames Projekt der BayWa Stiftung und der Stiftung Otto Eckart.

Drei Dachbegrünungs-Arten

Nach Angaben des Deutschen Dachgärtner Verbandes e. V. (DDV) verbessert jedes zusätzliche Gründach die Umwelt- und Lebensqualität in versiegelten Städten und Industriegebieten. Der Verband unterscheidet drei Dachbegrünungsarten: Extensivbegrünung, einfache Intensivbegrünung und Intensivbegrünung. Je nach Dachbegrünungsaufbau unterscheidet sich der Pflegeaufwand, die Pflanzenauswahl und die Statik sowie die Kosten.

Bei der Extensivbegrünung ist der Pflegeaufwand gering. Beispielweise ist eine Pflanzenbewässerung nur in der Anwachsphase erforderlich. Fetthennen, die in ihren Blättern Wasser speichern, und robustes Gras-Kraut eignet sich für die extensive Bepflanzung. Dahingegen kann bei der einfachen Intensivbegrünung mit Gras, Kraut und Gehölz eine periodische Bewässerung erforderlich sein. Hohen Pflegeaufwand und Kosten verursacht die Intensivbegrünung, die als gepflegte Gartenanlage auf dem Dach dient. Bei dieser dritten Dachbegrünungsart ist eine Bepflanzung mit Rasen oder Stauden bis hin zu Sträuchern und Bäumen möglich. Diese benötigen mehr Wasser und erfordern ein höheres Maß an Pflege, zum Beispiel um die Bäume und Sträucher zurückzuschneiden.

Das OASIS Berlin der Grossmann & Berger GmbH ermöglicht naturnahes Wohnen inklusive ansprechender Dachbegrünung (Bild: Grossmann & Berger GmbH).
Das OASIS Berlin der Grossmann & Berger GmbH ermöglicht naturnahes Wohnen inklusive ansprechender Dachbegrünung (Bild: Grossmann & Berger GmbH).

Was ein Gründach nutzt

Gründächer sehen nicht nur schön aus, sondern liefern auch Nutzen für den Bauherrn und Eigentümer. Nach DDV-Angaben ist zum Beispiel der Schutz der Dachabdichtung ein Vorteil. Nackte Flachdächer sind den Witterungseinflüssen und der UV-Strahlung ungeschützt ausgesetzt. Im Lauf der Jahre kommt es bei der Dachabdichtung zu Materialermüdung, Rissbildung und es könnten undichte Stellen entstehen. Ein Gründach puffert Klima- und Umwelteinflüsse ab. Die Lebensdauer der Abdichtung kann sich dadurch verdoppeln. Nebenbei nehmen die Pflanzen das Regenwasser auf, können Überschwemmungen mindern, schaffen ein Biotop für viele Tiere und verbessern das innerstädtische Klima und die Luftqualität.

Dachbepflanzung wird finanziell unterstützt

Städte und Gemeinden können Dachbegrünungen auf unterschiedliche Weise fördern. Die Palette reicht von finanziellen Zuschüssen über die Anerkennung als ökologische Ausgleichsmaßnahme bis hin zur Festsetzung von Dachbegrünung im Bebauungsplan, teilt der Deutsche Dachgärtner Verband e. V. mit. Allerdings gibt es in Deutschland keine einheitlichen Förderleitlinien für Gründächer.

Einige Städte bezuschussen eine Dachbegrünung. Ein Beispiel ist München. Das Baureferat (Gartenbau) der bayrischen Landeshauptstadt fördert mit bis zu 15 Euro pro Quadratmeter begrünte Dachfläche, höchstens jedoch 50 Prozent der Kosten. Voraussetzung für den Zuschuss ist, dass es sich um eine freiwillige Maßnahme handelt, die nicht im Rahmen einer öffentlich-rechtlichen Verpflichtung – beispielsweise einer Bauauflage – durchgeführt wird.

KfW-Förderung für eine Dachbegrünung

Der DDV teilt mit, dass im Rahmen der KfW-Programme „Energieeffizient Sanieren“ (Kredit 151, 152) und Zuschuss (430) bei einer Sanierung zum KfW-Effizienzhaus oder einer energetischen Einzelmaßnahme auch die Begrünung der Dachfläche durch die Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) gefördert werden kann. Gleiches gilt für die Kombination Dachbegrünung und Photovoltaik im KfW-Programm „Erneuerbare Energien“ (Standard 270), wenn der Begrünungsaufbau zur durchdringungsfreien Fixierung der Photovoltaikanlage eingesetzt wird.

Von begrünten Dächern profitieren die Menschen und die Natur. Gründächer stellen insbesondere in Großstädten einen wertvollen Lebensraum zum Beispiel für zahlreiche (Wild-) Bienen und Schmetterlinge dar. Für die Einwohner entstehen auf den Dachgärten beispielsweise Cafés und Erholungsflächen in der Natur – im übertragenen Sinne vor der Haustüre – auf dem Dach. Warum also nicht die ohnehin vorhandenen Flachdächer effizient zum Wohle der Menschen und der Natur nutzen?

Neben der Dachbegrünung kommen beim Immobilien-Neubau zunehmend nachwachsende Rohstoffe als Bauelement zum Einsatz.

Titelbild: Pixabay