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Hochhaus-Debatte in München: Architekt Fabian Ochs im Interview

Hochhäuser sind seine Passion und die verfolgt er seit mehr als drei Jahrzehnten: Der Münchner Architekt Fabian Ochs zählt zu den Experten und Befürwortern des Bauens in die Höhe und beteiligt sich an der Hochhaus-Debatte in München. Nach seinem Studium der Architektur in Stuttgart, New York und Zürich, nach Jahren beim Büro Herzog & de Meuron, gründete er 2000 gemeinsam mit Florian Schmidthuber OSA Ochs Schmidthuber Architekten in München. Wir freuen uns über das Interview zur Hochhaus-Diskussion mit einem absoluten Kenner der Münchner Architektur.

Was ist für Sie das gelungenste Hochhaus in München?

Fabian Ochs: Ich finde ein sehr gelungenes und besonderes Hochhaus in München ist der HypoVereinsbank-Tower, der von den Architekten Walther und Bea Betz bereits Ende der 60er Jahre entworfen und 1981 fertiggestellt wurde. Mit seiner ungewöhnlichen futuristischen Form und einer scheinbar schwebenden Spitze, gehört er zu den wenigen ikonischen Bauten Münchens und ist ein Kind seiner Zeit.

Hypo Vereinsbank Tower und Umgebung
Ikonisches Signal in der Münchner Hochhaus-Szene: Hypovereinsbank Tower. Bild: HypoVereinsbank / HGEsch

Dass der Tower vor ein paar Jahren erst saniert wurde, zeigt, dass Hochhäuser sehr wohl langlebig sein können und durchaus wandelbar sowie anpassungsfähig sind. Der Tower hat es geschafft, sich an die heutigen Anforderungen an moderne Arbeitsformen anzupassen, sowie eine energieeffiziente Gebäudehülle zu adaptieren.

Was mich ebenfalls beeindruckt, ist, dass der Tower bereits damals die 100 Meter Marke überschritten hat und man sich nicht in kleinkarierten Diskussionen verzettelt hat. Er steht auch an der richtigen Stelle, der nördliche Mittlere Ring in München ist, wie ich finde, ein idealer Standort für Hochhäuser.

Warum sind Hochhäuser Ihrer Ansicht nach wichtig für München?

FO: In meinen Augen gehört München zu den prosperierendsten Metropolen Europas und Hochhäuser sind ein Zeichen der Modernität, die an den richtigen Orten und in den richtigen Dimensionen, den doch sehr konservativen Stadtkörper Münchens akzentuieren können.

Portrait Fabian Ochs - Der Architekt beteiligt sich an der Hochhaus-Debatte in München.
Beteiligt sich an der Hochhaus-Debatte in München: Architekt Fabian Ochs (OSA Architekten München)

Es heißt immer, München sei besonders dicht bebaut, im Grunde ist das aber gar nicht der Fall, die theoretischen Zahlen basieren darauf, dass wir sehr enge Stadtgrenzen haben, innerhalb derer kaum mehr unbebaute Flächen vorhanden sind. Daher denke ich, dass gut situierte Hochhäuser auch einen echten Beitrag für eine moderne und nachhaltige Stadtverdichtung darstellen können.

Welche Vorteile sehen Sie beim „Bauen in die Höhe“?

FO: Das Bauen in die Höhe schafft an bestimmten Stellen eine deutliche Verdichtung, die städtisches Leben sowie eine Nutzungsmischung entstehen lassen können, die mit vielen positiven städtebaulichen Aspekten einhergehen. Unter anderem kommt man dem Ziel einer „15-Minuten-Stadt“ näher, man profitiert von kurzen Wegen, vermeidet Verkehr und kann an die bestehenden ÖPNV-Knoten anknüpfen, um dort die Potenziale maximal auszunutzen. Die Nachverdichtung ist ein ganz wesentlicher Beitrag in der nachhaltigen Gestaltung von Städten.

Worauf müssen Architekten beim Entwerfen von Hochhäusern besonders achten?

FO: Beim Entwurf eines Hochhauses geht es insbesondere darum, ein besonders schönes Haus zu entwerfen, da es in besonderer Weise sichtbar ist. Es gilt aber auch, sich intensiv mit allen Aspekten der Nachhaltigkeit auseinanderzusetzen und herausragende Lösungen zu entwickeln. Ein Hochhaus kann in puncto Nachhaltigkeit definitiv eine Vorbildfunktion haben und somit auch die dringend gebotenen Innovationen vorantreiben.

Ihr Team plant zurzeit ein ökologisches Hochhaus, das selbst Energie erzeugen kann.

FO: Wir planen ein zukunftsorientiertes Gebäude, mit zahlreichen PV-Elementen auf Dachflächen und Fassaden. Die Panels sind als bewegliche Lammelenkonstruktion konzipiert, die dem Verlauf der Sonne folgen und somit die Energieeffizienz steigern. Im Zusammenspiel mit vielen weiteren innovativen Konzepten erreichen wir somit eine energy-on-site Kapazität von ca. 30 %.

Im vergangenen Jahr haben Sie eine Studie erstellt zum Thema „Ökologie in Hochhäusern“. Was ist für Sie das Fazit dieser Studie?

FO: Mein Fazit der Studie ist, dass in der Nachverdichtung, die man mit Hochhäusern erzielen kann, ein echter Vorteil im Bauen liegen kann. Die Typologie eines Hochhauses bringt Herausforderungen aber auch Chancen in der Bautechnik mit sich, die man aber sehr wohl mit umfassend nachhaltigen Baukonzepten bewältigen kann.

Hypo Vereinsbank Tower - ein Hochhaus in München
Hypo Vereinsbank Tower – Ein gelungenes Beispiel beim Bauen in die Höhe. HypoVereinsbank / HGEsch

Wenn man sich die Anforderungen aus der Holzhybridrichtlinie anschaut, sind diese zu einem großen Teil deckungsgleich mit den Anforderungen aus der Holzbaurichtlinie. Von daher kann man von der baukonstruktiven Ebene Hochhäuser definitiv nachhaltig bauen.

Auf der haustechnischen Ebene sind die Anforderungen schon etwas komplexer, nutzt man aber die großen Fassadenflächen, um Energie zu gewinnen und plant Skygärten und Atrien, kann man sehr gut ein hybrides und multimodales Lüftungs- und Kühlkonzept erstellen, man muss eben nur ein bisschen Hirnschmalz reinstecken. So ist auch mit einem Bau eines Hochhauses nachhaltige Architektur möglich.

Vielen Dank für das aufschlussreiche Gespräch!

Bleiben Sie am Ball! Mit unseren Beiträgen zu aktuellen Entwicklungen zum Immobilienmarkt München. Lesen Sie auch „Wie Bauträger den aktuellen Wohnungsmarkt München sehen“.

Interview: Julia Niewöhner

Titelbild: © Anne Czichos

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