Die Immobilienwoche KW 29/26 zeigt, trotz Krise gibt es Anlass zur Hoffnung. Bauforscher starten den „Normen-Notruf“. Kaufen lohnt sich in einigen Regionen wieder mehr als Mieten. Zehnjährige Bauzinsen liegen aktuell noch unter der 4%-Marke. Allerdings lädt die Entwicklung am Immobilienmarkt nicht zur Entspannung ein. Baupreise erhöhen sich. Politiker planen Verschärfungen in Form eines Mietrecht-II-Gesetzes. Und die Bundesanleihen sind infolge geopolitischer Auseinandersetzungen gestiegen.
- News 1: Baupreise erhöhen sich um 5%
- News 2: Bauforscher starten „Normen-Notruf“ wegen Preisexplosionen
- News 3: Kaufen lohnt sich an einigen Standorten wieder mehr
- News 4: Verschärfungen im Mietrecht sorgen für Diskussion
- News 5: Bauzinsen aktuell unter 4% – Wende wahrscheinlich
- Fazit der Woche: Finanzierungslage noch gut – Vorhaben jetzt umsetzen
Die wichtigsten Entwicklungen der neuen Immobilienwoche im Überblick:
News 1: Baupreise erhöhen sich um 5%
Bauen wird zunehmend teuer. Wie das Statistische Bundesamt (Destatis) mitteilt, sind die Baupreise im Mai 2026 – innerhalb eines Jahres – um +5,0% im Vergleich zu Mai 2025 gestiegen. Noch im Februar 2026 betrug dieser Preisanstieg im Vorjahresvergleich „nur“ 3,3%. Insgesamt betrachtet, erhöhten sich die Preise für den Neubau konventionell gefertigter Wohngebäude von Februar 2026 bis Mai 2026 um 2,4%.
Grund für die gestiegenen Baukosten sind internationale Auseinandersetzungen wie der Iran-Krieg, was Material sowie Energie verknappt. Laut Destatis sind im Mai 2026 die Rohbauarbeiten um 4,9% und Dachdeckungs- sowie Zimmerarbeiten um jeweils 7,3 % teurer geworden – im Vergleich zu Mai 2025.
Warum das wichtig ist: Immobilienkäufer, die aktuell einen Neubau erwerben möchten, sollten daher nicht zögern. Denn Bauunternehmen sind gezwungen, die Baupreissteigerungen für Material und Energie bei den Immobilienpreisen weiterzugeben.
News 2: Bauforscher starten „Normen-Notruf“ wegen Preisexplosionen
Bauforscher hatten schon im Vorfeld der neuen Destatis-Erhebungen regelrechte Preisexplosionen beklagt. Experten der Bauforschungsinstitute ARGE (Arbeitsgemeinschaft für zeitgemäßes Bauen) und IFB (Institut für Bauforschung) sowie die Branche starteten daher einen „Normen-Notruf“. Schuld an deutlich gestiegenen Baukosten seien komplexe sowie zu zahlreich ausgeprägte Baunormen, so die Kritiker. Diese Regelungen verteuerten den Wohnungsbau und bremsen ihn dadurch, z.B. durch den Schallschutz.
„Da ist jedes Maß verloren gegangen“, urteilt IFB-Direktorin Heike Böhmer. Demnach wurden beispielsweise schon Balkone an einem Wohnhaus in Wesel wegen des „Schallschutzbedarfs“ verglast. Dies verringere den Lärm um 1 bis 3 Dezibel. Solche Lösungen machen allerdings einige Bauprojekte unbezahlbar, urteilen die Bauforscher. Sie fordern daher, u.a. den Verzicht auf abstruse sowie kostspielige Baunormen. Auch wünschen sich die Experten den noch nicht überall praktizierten Gebäudetyp E sowie eine einheitliche Baunormenregelung für alle Bundesländer.
Bundesbauministerin Verena Hubertz ist das Problem bekannt. Sie stellte jüngst einen 13-Punkte-Plan vor, um Baukosten zu senken. Darin setzt sie u.a. auf Digitalisierung, einfachere Förderungen sowie schnellere Bauzeiten (wir berichteten). Hubertz zufolge sei der Gesetzesentwurf zum Gebäudetyp E nun sogar bereits fertiggestellt, berichtet der Fernsehsender N-tv.
Warum das wichtig ist: Wissenschaftler haben einen nüchternen Blick auf Problemstellungen des verzögerten Wohnungsbaus. Ihre Empfehlungen können Politiker inspirieren sowie den notwendigen Neubau maßgeblich beschleunigen.
News 3: Kaufen lohnt sich an einigen Standorten wieder mehr
Während die Mieten weiter steigen (wir berichteten), bleibt der Kauf von Wohneigentum attraktiv. Das belegen neue Daten des Postbank Wohnatlas 2026. Wie die Märkische Allgemeine darauf basierend berichtet, sind an einigen Standorten Deutschlands Eigentumswohnungen im Verhältnis zur Miete günstiger geworden. Während in 284 von 400 deutschen Regionen die Nettokaltmieten um 2,2% stiegen, legten Immobilienkaufpreise lediglich um 0,6% zu.
Einige brandenburgische Landkreise gehören laut MAZ zu den attraktivsten Immobilienstandorten Deutschlands. Besonders Barmin, südlich angrenzend an Berlin, überzeugt sowohl Eigennutzer als auch Kapitalanleger bundesweit. Dort braucht es mit der Vervielfältiger-Größe von 24 lange nicht so viel Zeit wie in Cottbus (33,6) und Potsdam (35,1), damit sich Eigentum gegenüber Miete amortisiert hat – und der Landkreis Barmin glänzt darüber hinaus mit einem überzeugenden Preistrend von 1,49% pro Jahr bis 2035. Eine derart attraktive Angebotskombination gebe es aktuell deutschlandweit nicht woanders, resümiert die MAZ.
Warum das wichtig ist: Der Immobilienkauf lohnt sich in vielen Regionen immer noch häufiger als langfristiges Mieten. Vor dem Immobilienerwerb ist allerdings wichtig, zu überlegen, ob die Immobilie selbst oder als Kapitalanlage genutzt wird. Denn nicht jeder zunächst günstige Standort eignet sich auch für eine vielversprechende Mietrendite. Günstige Lagen für die Eigennutzung garantieren aber ziemlich früh eine eigene Rendite, nämlich kostengünstiger zu wohnen, statt zu mieten.
News 4: Verschärfungen im Mietrecht sorgen für Diskussion
Der neue Gesetzentwurf zum Mietrecht-II-Paket hat die erste Lesung im Bundestag passiert. Das geplante Gesetz sorgt für Debatte. Die Bundesregierung plant hierbei erhebliche Verschärfungen des Mietrechts. Demnach soll der Mieterschutz wirksamer werden sowie bezahlbarer Wohnraum entstehen. Der Zentrale Immobilien Ausschuss (ZIA) kritisiert den Gesetzesentwurf.
Durch die neuen Regeln würde nicht unbedingt mehr Neubau entstehen, prognostiziert der ZIA. Vielmehr würden praxisferne Vorgaben für Möblierungszuschlag, Indexmieten, Kurzzeitvermietungen sowie verlängerte Schonfristen bei Zahlungsrückständen dafür sorgen, dass Vermieter schlechter gestellt werden als Mieter. Das sieht der Branchenverbrand kritisch und warnt u.a. vor einer damit verbundenen Verknappung des allgemeinen Wohnungsangebots, berichtet das Finanzmagazin Cash.
Warum das wichtig ist: Die Nachfrage nach Wohnraum ist nach wie vor vielfältig. Wenn die Politik das Mietrecht schlecht reformiert, wirkt sich das auch auf das Wohnungsmarktangebot für Immobiliensuchende und -käufer aus. Konstruktive Kritik in diesem frühen Planungsstadium des Mietrecht-II-Gesetzes ist daher sehr gut angebracht. Dadurch können Fehler in der finalen Beschlussvorlage vermieden werden.
News 5: Bauzinsen aktuell unter 4% – Wende wahrscheinlich
Die erneute Iran-Eskalation schürt Unsicherheit am Zinsmarkt. Bundesdeutsche Anleihe-Renditen steigen. Und auch den Bauzinsen, momentan unter 4%, droht die Wende, vermutet die Berliner Morgenpost. Nach dem Rahmenabkommen zwischen den USA und Iran waren diese leicht gesunken (wir berichteten).
Nun könnten die Bauzinsen wieder spürbar anziehen. Branchenexperten gehen zudem davon aus, dass die am 11. Juni 2026 realisierte Leitzins-Erhöhung der Europäischen Zentralbank (EZB) kein Einzelfall bleibt. Die EZB änderte damals den Einlagezins von 2,0% auf 2,25% (wir berichteten). Deutsche Bauzinsen variieren derzeit zwischen ca. 3,5% bis 3,9% bei zehnjähriger Zinsbindung.
Warum das wichtig ist: Die allgemeine Finanzierungslage ist momentan noch günstig. Wer in einen Neubau oder eine Kapitalanlage investiert, sollte sich schnell klar über den Kaufwunsch werden und diesen zu derzeit guten Konditionen umsetzen.
Fazit der Woche: Finanzierungslage noch gut – Vorhaben jetzt umsetzen
Die Signale dieser Woche zeigen: Immobilienkäufer, die aktuell einen Neubau erwerben möchten, sollten nicht zögern. Nach gesunkenen Bauzinsen und kalkulierbaren Immobilienpreisentwicklungen verdichten sich die Zeichen, dass die Finanzierungslage schlechter wird.
Für Neubaukäufer, Kapitalanleger und Projektentwickler lohnt sich das Investment daher jetzt. Nur sollte die Region und deren Wertsteigerungspotenzial, so die Erkenntnisse aus dem Postbank Wohnatlas 2026, vor dem Investment erst einmal genauer geprüft werden.
Du bist auf der Suche nach deinem neuen Traumhaus oder der passenden Eigentumswohnung für dich? Bei neubau kompass, Deutschlands führender Plattform für Neubau-Immobilien, findest du dein neues Zuhause. Über 1.000 aktuelle Projekte warten auf dich – transparent, übersichtlich und ohne Werbung.
| Title Image: | Große Baustelle von oben mit Baukran.jpg © KI-generierte Visualisierung |